Regenbogentour durch Marokko               

Man hört immer wieder dass es keine gute Kombination ist wenn Geländewagen und Motorräder zusammen eine Tour unternehmen. Doch wir ließen uns nicht davon abhalten zusammen mit Bekannten eine gemischten Gruppe aus Quad, Motorrad und 2 Geländewagen zu bilden. Auf der Fährpassage Genua- Tanger hatten wir genug Zeit zum Kennen lernen, auch wenn 2 Mitglieder mit dem Flugzeug nachreisen.
Die Zollformalitäten hatten wir am Abend bei schönstem Wetter erledigt und sind noch in der Nacht bis Marrakech gefahren. Am Morgen werden wir von Rührei und tollem Wetter verwöhnt. Die letzten Vorbereitungen sind schnell abgeschlossen und die 2 fehlenden Teilnehmer sind zu uns gestoßen. Der kleine Treck aus Quad, Motorrad und 2 LandCruisern setzt sich in Bewegung zum Tizi-n Tichka. Es hat in den letzten Tagen recht viel geregnet was dem Zustand der Stecke nicht zum Vorteil war, allerdings bleiben extreme Teilstücke aus. Quad und Motorrad fahren voraus, getroffen wird sich an vorher genau festgelegten Punkten- oder wenn das Benzin ausgeht.
Das Fahren auf und abseits des Asphalts macht Spaß und die Landschaft wechselt nach jeder Kurve. Genau das macht den Reiz dieser herrlichen Passage aus und sie bildet den perfekten Einstieg in den Hohen Atlas. Übernachtet wird in Quazazate, am Morgen machen wir eine Zeitreise zu einem Flussbett in dem eine kleine Piste verläuft. An den Seiten sind zahlreiche Höhlen die vor einigen Jahren noch  als Unterkunft dienten. Von hier aus geht es über eine Lehmpiste hinauf zu einer großen Hochebene. Wir haben Glück, die Oberfläche ist trocken und die Pfützen recht klein, so dass uns größere Schlammpassagen erspart bleiben. Tiefe Spuren im trockenen Lehm lassen erahnen was einen hier erwartet wenn Regen einsetzt. Auf der Ebene angekommen wechselt die Oberfläche, die Piste ist steiniger. Wer aber meint hier schnell voran zu kommen der irrt. Denn das Plateau ist von zahllosen Regenrinnen durchzogen die immer wieder überquert werden müssen. Somit geht es etwas entspannter zu als am Vortag. Auf den ersten Blick scheint es außer einigen Gräsern nicht viel zu geben. Schnell kommt das Gefühl auf hier in völliger Einsamkeit zu sein. Doch der Schein trügt. Wer genauer hinsieht kann auch hier mitten im Nichts Spuren der Zivilisation ausmachen.
Nach dem Plateau wird die Piste immer besser und es geht zügig voran.
Den krönenden Abschluss bildet der sehr gepflegte Campingplatz Ksar Kaiser, wo wir entspannen und von warmen Duschen verwöhnt werden. Bevor sich der Tag verabschiedet sind zwei Regenbögen zu sehen, die dann vom Feuerwerk der untergehenden Sonne verschluckt werden. Es dauert nicht mehr lang, bis wir den ersten Regen erleben, der uns früh in die Schlafsäcke treibt.
Dementsprechend früh starten wir am Morgen zur Dades Schlucht. Auch wenn die Straße durch die Schlucht größtenteils asphaltiert ist, gib es keinen Anlass zur Traurigkeit. Für Abwechslung ist gesorgt, denn das recht kurvenreiche Sträßchen stellt immer wieder Atemraubende Panoramen zur schau. Aber auch hier hat es geregnet, so wundert es kaum dass die Strecke immer wieder mit Schlamm und Schotter überspült wurde. Doch offroad fahren ist hier Nebensache, zu oft halten wir an um uns von der Landschaft beeindrucken zu lassen.
Erst weit oben wechselt der Belag und wir nehmen wieder Schotter unter die Räder. Die gut ausgebaute Piste steigt noch weiter an um nach einem Pass auf eine zweite Piste hinunter in die Todraschlucht zu gelangen. Doch auf vielen Karten ist eine Querverbindung eingezeichnet die am und im Flussbett entlang über einen Pass führt. Über dieses ca. 28 km lange Teilstück wird immer wieder berichtet das es dies nicht mehr gibt oder für Geländefahrzeuge unpassierbar sei. Wir gehen den Berichten auf dem Grund und biegen am Abzweig ab.
Eins vorweg: es geht- auch mit dem 4x4! Aber wer hier mit seinem Fahrzeug einsteigt sollte über gutes fahrerisches Können verfügen und noch dazu in einem hoch geländegängigen Fahrzeug sitzen.
Ab hier heißt es Reduktion einlegen, anschnallen und genießen. Die kleine Piste ist am Anfang noch in einem relativ guten Zustand so dass man sich ein bisschen einfahren kann. Doch nach einigen hundert Metern geht es nach links in das Flussbett, was am Anfang noch recht breit ist. Hier gibt es relativ viel feineren Flusskies so dass wir den schwierigen Passsagen ausweichen können. Aber auch hier müssen immer wieder Felsen um- oder überfahren werden, manchmal auch beides. Wir kommen einigermaßen gut voran. Doch je weiter wir nach oben kommen desto steiniger werden die Passagen. Die Strecke ähnelt immer mehr einem Trialparkur. Mit dem Wissen das die Piste im oberen Verlauf das Flussbett verlässt und hinter dem Pass im guten Zustand sein sollte, nehmen wir uns die Zeit die wir für die schwierigen Abschnitte brauchen. Es ist etwas bewölkt, so dass die Beifahrer das Ganze recht entspannt von außen einweisen können. Quad und Motorrad erweisen sich als gute Begleiter. Sie fahren voraus und suchen für die Geländewagen den besten Weg. Aber auch Quad und Motorrad müssen sich durch das schwierige Gelände kämpfen. Doch es dauert nicht lange und wir müssen die ersten kleineren Felsen von Hand räumen und Stufen überfahren. Der Allrad wurde schon lange eingelegt, jetzt kommen die Differtentialsperren zum Einsatz. Sie sollten noch öfter bemüht werden. Es geht stetig bergauf. Weiter oben ist tatsächlich ein Weg neben dem Flussbett erhalten. Wir verlassen den Flusslauf und kommen wesentlich schneller voran. Nach Karte sollen wir der Piste folgen bis sie nach links abknickt um sich über einen 2450m hohen Pass zu winden. Einen Abzweig gibt es nicht.
Doch schon nach wenigen 100m stehen wir vor einer Ausspülung und der Weg ist zu Ende. Wir müssen wieder zurück ins Flussbett. Es wird früh dunkel und wenn wir nicht wieder auf die Piste kommen wird die Zeit knapp. Zu allem Überfluss verschlechtert sich das Wetter zusehends, starker Regen und Hagel setzten Ein. Ab jetzt haben wir keine Wahl mehr und müssen so schnell wie möglich den Pass erreichen. Wenn der Regen anhält und der Fluss zu viel Wasser führt sitzen wir hier oben fest- vielleicht für Tage.
Die Suche nach dem Idealweg zwischen den Steinen und das Einweisen machen keinen Spass mehr. Es ist kalt, die Klamotten sind durchnässt und die Steine glatt. Erleichterung kommt auf als etwas weiter die Piste wieder befahrbar ist. Doch Die Freude währt nur kurz denn wir müssen bald wieder zurück in das Bett. Es sollte nicht der letzte Wechsel sein. Wir sind schon spät dran als wir endlich den Pass erreichen. Ab hier sollte der Weg in einem besseren Zustand sein.
Die Gerüchte hatten Recht, die Piste ist tatsächlich etwas besser. Aber auch hier müssen wir feststellen, dass die Natur das zurück erobert was der Mensch geschaffen hat und einige Teilstücke nicht befahrbar oder erst gar nicht vorhanden sind. Zum Glück bessert sich dafür das Wetter zusehends. Am Ende haben wir für den Abschnitt 6 Stunden gebraucht und wir erreichen die Engstelle der Todraschlucht fast im Dunkeln.
Der darauf folgende Tag führt uns in die weiten Ebenen zu den Lehmskultpuren eines deutschen Künstlers. Hier mitten im Nichts hat er die Himmelsleiter, die Lehmsäulen des Orions und die Goldene Spirale errichtet. Letzteres diente dem Künstler als Atelier. Die Objekte können sogar besichtigt werden. Beim Preis von 200Dirham pro Person bleibt es bei einigen Fotos von außen und wir folgen den Pisten nach Er Rachidia um auf Asphalt nach Merzouga zu gelangen. Es ist Nacht als wir das Lager aufschlagen. Ein sternklarer Nachthimmel der alles Bekannte in den Schatten stellt, lässt auf schönen Wetter hoffen. Für den nächsten Tag ist neben dem Einkauf diverser Fossilien ein Abstecher in die Dünen geplant.
Der Blick am Morgen sprengt alle Klischees. Ich blicke über eine Lehmmauer auf einige Palmen die hier auf dem kargen Boden das einzige Grün ausmachen. Sie bilden einen schönen Kontrast zu den mächtigen Dünen die sich dahinter über 100m hoch auftürmen. Kein Zweifel wir sind am Rand der Sahara. Doch dass alleine reicht nicht zum glücklich sein. Es ist kalt, genauer 11° und es regnet – noch genauer,  es gießt in Strömen. Wir kommen erst am späten Vormittag los. Die Pisten in den Dörfern sind total verschlammt und vor den Dünnen stehen große Seen. Doch der Regen hat auch sein Gutes und der Sand ist relativ hart.  Mit genügend Schwung oder Motorleistung gleicht das fahren auf den Dünen einer Achterbahn bei der man die Strecke frei wählen kann. Doch Vorsicht, Suchtgefahr! Besonders betroffen sind Quad- und Motorradfahrer die mit einem Dauergrinsen unterwegs sind.
Gegen Abend ziehen dunkle Wolken auf und wir fahren Richtung Zagora. Der Blick in die Rückspiegel verheißt nichts Gutes und bestätigt die Entscheidung. Auf halber Strecke machen wir Halt an einer gepflegten Auberge.
Den Morgen beginnen wir wie Pauschalurlauber. Auch wenn 13° Luft und 15° Wassertemperatur für marokkanische Verhältnisse eisig sind, konnten wir es uns nicht nehmen lassen einem ausgiebigen Bad im Pool zu frönen. Die Einheimischen laufen kopfschüttelnd an uns vorbei während sie sich noch tiefer in ihre dicken Jacken verstecken.
Von hier aus fahren wir über Pisten nach Zagora. Dort angekommen schaffen wir es so gerade noch die Zelte aufzubauen bevor leichter Regen einsetzt. Egal, wir sitzen gesellig unter der Markise. Pünktlich als Tajine serviert wird hört der leichte Regen auf. Es regnet nicht mehr, es schüttet.
Morgens stehen die Fahrzeuge in einem See. Mit Marokko verbindet man andere Bilder. Doch die scheinen fern ab der Realität und das Produkt von zwielichtigen Reiseanbietern.
Über Pisten wollen wir nach Agdz. Aber auch hier hat der Regen sein übriges getan.  Wir kommen zu langsam voran und schwenken ab. Es geht entlang mehrer Bergwerkminen über ein weniger gepflegtes Asphaltsträßchen nach Tazenakht mit der Hoffnung auf einem Campingplatz zu übernachten. Es ist fast dunkel als wir das Örtchen erreichen. Die Gassen sind verschlammt mit großen Pfützen. Wir müssen feststellen dass es hier keinen Campingplatz gibt. Zu allem Überfluss machen wir erneut Bekanntschaft mit dem Kühlen Nass das wieder in große Mengen vom Himmel fällt. Mitten im Ort steht ein Haus, an dem die beleuchteten Buchstaben HOTEL angebracht sind. Ein Blick nach oben in den schwarzen Himmel lässt alle Zweifel im Keim ersticken und wir quartieren uns ein. Nach einer unvergesslichen, regnerischen Nacht zieht es uns am Morgen weiter auf die Pisten.  Die Sonne erwärmt den Boden, so dass Nebelschwaden aufsteigen. In ihnen wird das Licht gebrochen und es sind überall kleine Regenbögen zu sehen. Junges Grün sprießt aus den Böden, die feuchten Steine glänzen, die Natur sorgt für unvergessliche Eindrücke.
Und auch das Offroadherz kommt nicht zu kurz. Wir fahren an einem Flussbett in dem das braune Wasser zügig an uns vorbei fließt. Immer wieder müssen wir den Fluss durchqueren und gelangen dabei durch mehrere kleine Dörfer.
Nach fast zahllosen Wasserdurchquerungen erreichen wir irgendwann unser Ziel Agdz. Bei einem guten Tee lassen wir den Tag Revue passieren. Den Abend genießen wir unter klarem Sternhimmel, immerhin hat es in den letzten 24 Stunden nicht mehr geregnet.
Dieser Trend setzte sich sogar am nächsten Morgen fort, nach dem Frühstück geht es weiter über Nekob einer der viel befahrenen Pisten über den Tizi-n-Tazazert zu erreichen. Neben der Piste sind wieder ausgeschachtete und verlassene Gräben zu sehen. Wir steigen aus, machen Fotos und begeben uns auf Spurensuche, doch  was hier gefördert wurde bleibt uns ein Rätsel.
Bei der Weiterfahrt kommen uns immer wieder Fahrzeuge entgegen. Der Tourismus hat seine Spuren hinterlassen, und zeigt seine Schattenseiten. Während die Erwachsenen ihrem traditionellen Unterhalt nachgehen, stehen ältere Kinder an der Piste und verkaufen Handwerksartikel, nachgemachte Fossilien oder Steine. Wer zu jung ist oder nichts zu verkaufen hat Bettelt einfach so. Es dauert nicht lange und wir begegnen einer französischen Reisegruppe die ausgiebig Kulis und Süßwaren an die Kinder verteilt. Die Kinder werden für ihr Betteln belohnt, an ihrer Situation ändert sich jedoch nichts. Ich koche vor Wut und sehe zu dass ich weiter komme.
Die Piste ist bis zum Pass extrem uneben und holperig was, dem Vorankommen nicht dienlich ist. Auch für die Quad- und Motorradfahrer ist es eine Tortour.
Erst hinter dem Pas wird es zunehmend besser, je weiter wir talwärts vorstoßen. Den Abend verbringen wir wieder in der Ksar Kaiser. Es bläst ein kalter Wind der das allabendliche, gemütliche Zusammensein schnell beendet. Nachts setzt erneut Regen ein- der erste seit 48 Stunden!
Eigentlich sollte es jetzt über einen Pass zum Dadestal gehen. Die Suche nach einer Piste hat sich schnell erübrigt. Der Regen ist im Hohen Atlas als Neuschnee herunter gekommen und hat die umliegenden Berggipfel hübsch weiss dekoriert. Wir müssen umdisponieren und fahren über das Hochplateau das wir vor einigen Tagen gekommen sind zurück nach Quazazate.
Obwohl es in der Nacht wieder mal regnete, begrüßt uns am Morgen die Sonne mit voller Kraft und in einem herrlich schönen Tag erreichen wir über einen ebenso schönen Asphaltpass die Cascades de Ouzoud. Vor wenigen Tagen ist hier eine gigantische Flut in die Tiefen gestürzt und hat das obere Flussbett umgeformt. Viele Campingplätze oberhalb und einige Stände innerhalb der Schlucht zeigen sich im desolaten Zustand und sind geschlossen. Die Blätter auf den Bäumen tragen noch immer eine braune Schicht von der schlammigen Gischt als die braune Flut die 120m hinunter stützte. Nein, hier kann man heute keine schönen Fotos machen.
Ein Klopfen weckte uns am Morgen, es regnete. Von den 6 Tagen die es durchschnittlich im Oktober regnet haben wir nun schon 9 angetroffen. Auf der Rückfahrt nach Marrakech erreicht der Niederschlag seinen Höhepunkt. Zum Abschied öffnet der Himmel seine Schleusen. Das was Meteorologen einfach nur als Niederschlag abtun erreicht nicht gekannte Dimensionen. Das Wasser sammelt sich Rechts und links der Landstraße in braunen Seen. In Marrakech stehen riesige Pfützen auf den Strassen.
Anstatt am Campingplatz unsere Zelte aufzuschlagen zieht es uns in ein überdachtes trockenes Einkaufszentrum, wo letzte Besorgungen gemacht werden.
Da man außer Suppe draußen nichts kochen kann, siegt der Überlebenstrieb über die Vernunft und wir kehren in ein bekanntes Schnellrestaurant ein.
Als der Regen etwas nachlässt versuchen wir der Medina noch einen Besuch abzustatten. Es geht ungewohnt beschaulich zu. Die Stimmung ist gedrückt und die Souks leer. An den abendlichen Kochständen bereiten sich die Einheimischen auf Regen vor. Das Postkartenpanorama vom Balkon eines Restaurants wird von Plastikplanen überdeckt. Also brechen wir auf zum Campingplatz wo wir einen nur äußerlich trockenen Abend verbringen.
Von hier aus geht es von Schauern begleitet- wie denn sonst in Marokko- in den nächsten Tagen über Tanger zurück nach Europa wo eindeutig besseres Wetter auf uns wartet.
Die Befürchtungen, dass es auf Grund der unterschiedlichen Fahrzeuge zu Spannungen innerhalb der Gruppe kommt haben sich völlig zerschlagen. Im Gegenteil, auf der gesamten Tour stand schließlich der Spass im Vordergrund und die Fahrzeuge ergänzten sich.
Ob wir noch einmal in einer gemischten Gruppe fahren würden? Jederzeit wieder!