Infomappe zur Marokkoreise
Teil 3, Infos
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Reinhold Pies
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Infos zu Fossilienfunden
in der Region um Erfoud
( Tafilalet, Marokko, am Rand der Sahara, 900m ü.d.M.)
Nach Angaben der Paläontologen sowie der Geologen der Fakultät „Naturwissenschaften“ der Universität von Montpellier bildeten sich diese Kalksteine vor 320 bis 400 Millionen Jahren im Zeitalter des Devons, dem dritten Erdzeitalter der Ära des Paläozoikums.
Ein Gutachten des Professors Simon aus Heidelberg, sowie Untersuchungen des Office de la Constuction et du Batiment zeigen, das die Fossilienanreicherungen diesem Zeitalter zugeordnet werden können.
Die meisten der damaligen Meerestiere waren Fleischfresser und gehörten zu den Tintenfischen. Sie waren also Vorläufer der heutigen Nautiliden, Kalmaren und Sepien. Die lang gestreckten, spitzkegeligen Gehäuse gehören zur Gattung Orthoceras, die schneckenförmigen zur Gattung Goniatites. Weitere Meeresbewohner waren Seelilien, Trilobiten, Schnecken und Mikrofossilien.
Früher nahm man an, das der Lebensraum ein Flachmeer war, das nur etwa 60 bis 80 cm Wassertiefe besaß und entweder durch fortschreitenden Austrocknung oder durch tektonische Anhebung des Meeresbodens, also ohne Vulkanische Aktivität, entstand. Neuere Untersuchungen zeigten, das die Meerestiefe etwa 20 bis 30 Meter betrug und am Meeresboden flache, von Korallen und Seelilien gebildete Riffe (marokkanisch: „kess-kess“) vorhanden waren. Südöstlich von Rissani, bei Hamar Laghdad, wurden diese Riffhügel durch die Verwitterung wieder herauspräpariert. Die Hügel gleichen umgestülpten Cous-cous-Töpfen („Kess-kess“). Hier wird das fossilienreiche Gestein in Steinbrüchen abgebaut.
Die Gesteinsdichte ist geringfügig höher als die des Mamors. Eine 2 cm dicke Gesteinsplatte besitzt eine Druckfestigkeit von 10, das heißt, sie bricht erst bei einer Belastung von 292 kp/cm².
Bei den sehr dekorativen, angeschliffenen und Polierten Gesteinsplatten, die oft wahre Museumsstücke sind, gleicht kein Stück dem anderen. Sie erinnern eindrücklich an die Anfänge des Lebens auf der Erde. Diese Gesteine und die Interpretation ihrer Entstehungsgeschichte waren früher nur den Paläontologen zugänglich. Heute kann sich jeder Naturliebhaber daran erfreuen.
Übersetzung und Ergänzung: Dr. P. Wagenplast
Tiere:
Hierbei möchte ich ganz besonders die Gefährlichen, Giftigen Arten nennen und einige Dinge hierzu klarstellen.
Laut Statistik werden mehr Menschen von Kokosnüssen erschlagen, als durch Tierbisse sterben. Im Durchschnitt enden 2,4% aller Schlangenbisse tödlich. Man sollte sich stets vor Augen halten, dass die Mehrheit der gebissenen Personen Einheimische Bauern, Kinder in Armenvierteln und Plantagenarbeiter sind. Dies heißt natürlich nicht das es uns nicht treffen kann! Wetweit sterben Jährlich ca. 80.000 Menschen an den folgen eines Schlangenbisses.
Der tierischen Gefahr kann man aber durch einfache Verhaltensweisen recht gut begegnen:
• Augen Auf! Immer gucken wo man hintritt, auch beim aussteigen aus dem Auto! Niemals Gestrüpp oder Äste direkt anfassen, vorher einen „tritt“ verpassen
• Immer festes hohes Schuhwerk tragen. Auch uns ist klar, das das nicht immer angenehm ist. Allerdings dürfte das im Vergleich zu den Problemen die ein Schlangenbiss oder Skorpionstich mit sich bringt gering sein.
• Lange Hosen sollten zumindest beim klettern und abends am Lagerfeuer getragen werden
• Schlafsäcke, Schuhe oder Bekleidungsstücke sollten nie auf dem Boden liegen. Krabbeltiere könnten sich darin zurückziehen. Vorher ausschütteln
• Schuhe vor dem anziehen ausschlagen um „Einwohner“ zu entfernen
• NIEMALS, auch nicht Nachts zum pis… barfuss gehen
• Nachts nie ohne Licht unterwegs sein, am besten sind Stirnlampen
• Wenn man ein Tier bemerkt, diese nicht stören sondern ganz einfach in Ruhe lassen und auf keinen Fall in die Enge drängen.
• Trift man unverhofft auf eine Schlange, zunächst ruhig stehen bleiben. Schlangen sehen schlecht und reagieren auf Bewegung. Ganz langsam zurückziehen.
• Keine toten Schlangen anfassen! Manche stellen sich nur tot, können dann aber Blitzschnell zubeißen.
• Vorsicht beim klettern in Felsen und auf Bäumen. Lederhandschuhe schützen die Hände vor Skorpionstichen.
• Kinder sollten nur dort spielen, wo keine Verstecke für Schlangen ect. sein können.
Werden die vorgenannten Verhaltensregeln eingehalten, ist man schon sehr gut vor einem Biss oder Stich geschützt.
Nun wollen wir noch kurz beleuchten, welche giftigen Tierarten es in Marokko so gibt (auch hier der Ausdrückliche Hinweis, das die Liste nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erfüllen muss, Literatur hierzu ist selten!):
Schlangen:
Echte Kobrasaus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Echte Kobras
Ägyptische Kobra
Systematik
Reihe:
Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse:
Reptilien (Reptilia)
Ordnung:
Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung:
Schlangen (Serpentes)
Familie:
Giftnattern (Elapidae)
Gattung:
Echte Kobras
Wissenschaftlicher Name
Naja
Laurenti, 1768
Die Echten Kobras (Naja) sind Giftnattern (Elapidae), die in etwa 20 Arten in Afrika und Asien vorkommen. Das auffälligste Merkmal einer Kobra ist der spreizbare Nackenschild,
bei einigen Arten (Brillenschlange Naja naja, Monokelkobra Naja kaouthia) mit Brillenzeichnung, der in der Drohhaltung ausgebreitet wird. Die Gattung besteht aus 21 anerkannten Arten, die in weiten Teilen Asiens und Afrikas zu finden sind.
Merkmale
Echte Kobras erreichen eine Körperlänge von durchschnittlich 1,50 Metern, einige Arten können auch bis zu 2,30 Meter lang werden. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie mit Hilfe von verlängerten Halsrippen und besonders lockerer und flexibler Haut im Halsbereich in der Lage sind, ihre Nackenhaut zu einer Haube auszubreiten, die bei einigen Arten zudem mit einer auffälligen Zeichnung versehen ist. Außer den Arten der Echten Kobras sind hierzu allerdings auch Vertreter anderer Gattungen in der Lage, so etwa die deutlich größere Königskobra (Ophiophagus hannah) oder die Südafrikanische Speikobra (Hemachatus haemachatus). Weitere Merkmale der Echten Kobras sind die runden Pupillen sowie die glatten und in schrägen Reihen angeordneten Rückenschuppen der Tiere.
Lebensweise
Alle Arten der Echten Kobras sind bodenlebend und verbergen sich häufig in Bauten von Nagern, hohlen Bäumen oder anderen, geeigneten Verstecken. Sie sind tagaktiv und in fast allen Lebensräumen zu finden, teilweise auch in Reisfeldern oder sogar in Siedlungen und Städten, wobei sie hier dämmerungs- bis nachtaktiv werden.
Ernährung
Sie ernähren sich meistens von kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, Vögeln, anderen Schlangen, Eidechsen und Amphibien. Durch einen Biss wird normalerweise die Beute getötet.
Verteidigung
Bei Bedrohung versuchen die meisten Kobras zu fliehen. Ist dies nicht möglich, etwa weil sie in ihrem Versteck gestört wurden, nehmen Kobras (einschließlich der Königskobra) eine typische Drohstellung ein, bei der sie den Oberkörper weit anheben und den Hals spreizen. Dabei fixieren sie den potentiellen Angreifer und schwanken mit dem Kopf manchmal minutenlang hin und her während sie zischende Drohlaute ausstoßen. Aus dieser Haltung heraus kann ein Angriff erfolgen, der bei den in Afrika beheimateten Speikobras aus dem Verspritzen ihres Giftes in die Augen des Feindes oder bei den anderen Arten in einem Zustoßen und Biss besteht.
Arten
Heute werden 22 Arten der Gattung Naja anerkannt, die Anzahl variiert allerdings abhängig von der Quelle, da es zahlreiche Revisionen in den letzten Jahren gab. Sämtliche in Asien vorkommenden Naja-Arten wurden beispielsweise bis vor einigen Jahren als Unterart der Brillenschlange betrachtet, nach neueren Erkenntnissen stellen sie größtenteils eigene Arten dar. Dazu gehören unter anderem die Monokelkobra (Naja kaouthia), die Indochinesische Kobra (Naja atra), die Mittelasiatische Kobra (Naja oxiana) sowie die Indonesische Kobra (Naja sputatrix), die wie ihre afrikanischen Artgenossen zum Giftspeien in der Lage ist.
Die Arten sind:
• Anchietas Kobra (Naja anchietae) (Bocage, 1879)
• Naja annulifera (Peters, 1854)
• Naja ashei (Wüster & Broadley, 2007)[1]
• Indochinesische Kobra (Naja atra) (Cantor, 1842)
• Uräusschlange (Naja haje) (Linnaeus, 1758)
• Monokelkobra (Naja kaouthia) (Lesson, 1831)
• Malikobra (Naja katiensis) (Angel, 1922)
• Naja mandalayensis (Slowinski & Wüster, 2000)
• Schwarzweiße Kobra (Naja melanoleuca) (Hallowell, 1857)
• Mosambikspeikobra (Naja mossambica) (Peters, 1854)
• Brillenschlange, Indische Kobra (Naja naja) (Linnaeus, 1758)
• Schwarznacken-Speikobra (Naja nigricollis) (Reinhardt, 1843)
• Kapkobra (Naja nivea) (Linnaeus, 1758)
• Nubische Speikobra (Naja nubiae) (Wüster & Broadley, 2003)
• Mittelasiatische Kobra (Naja oxiana) (Eichwald, 1831)
• Rote Speikobra (Naja pallida) (Boulenger, 1896)
• Philippinische Kobra (Naja philippinensis) (Boulenger, 1896)
• Andamanenkobra (Naja sagittifera) (Wall, 1913)
• Samar-Kobra (Naja samarensis) (Peters, 1861)
• Indochinesische Speikobra (Naja siamensis) (Laurenti, 1768)
• Indonesische Kobra (Naja sputatrix) (Boie, 1827)
• Goldene Speikobra (Naja sumatrana) (Müller, 1890)
Die bekannteste Kobraart ist die bis zu 2 Meter lange Brillenschlange (Naja naja). Tiere aus Indien und Sri Lanka sind an der Brillenzeichnung auf dem Nacken zu erkennen. Sie leben in feuchten Gebieten, besonders in Südasien.
Afrikanische Speikobras (Naja mossambica, Naja pallida, Naja nigricollis) sind schwarz bis rosa gefärbt, und einige Tiere haben ein schwarzes Band um den Hals. Speikobras treten überall auf und meiden den Menschen nicht allzu stark. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass die Tiere in Städte bis hinein in die Häuser der Menschen gelangen. Sie sind nachtaktiv und jagen Echsen, Vögel, Frösche und andere Schlangen.
Eine weitere sehr bekannte Art ist die Uräusschlange (Naja haje) aus Nordafrika und dem Nahen Osten, die bei Bedrohung in einen Starrezustand fallen kann. Mit ihrem Gift soll sich die die ägyptische Königin Kleopatra vergiftet haben. 2003 wurde mit der Nubischen Speikobra (Naja nubiae) eine neue Art beschrieben. Sie ist braungrau gefärbt und besitzt zwei dunkle Bänder um den Nacken. Die zuerst für eine Rote Speikobra (Naja pallida) gehaltene Schlange wurde durch eine Erbgutanalyse als neue Kobra-Art identifiziert. Erst 2007 wurde die größte Vertreterin der Speikobras, die ostafrikanische Naja ashei, beschrieben.
Das stärkste Gift afrikanischer Kobraarten wird der Schwarzweißen Kobra (Naja melanoleuca) und der Kapkobra (Naja nivea) zugeschrieben. Das Gift der Kapkobra tötet Kleintiere in nur wenigen Sekunden, bei Menschen kann der Tod ohne Soforthilfe innerhalb einer Stunde eintreten. Sie kann bis zu 1,6 Meter lang werden und hat große Augen mit einer runden Pupille. Die Farbe des Tieres variiert von braun-gelb bis schwarz. Ihre Lebensräume sind trockene, steinige Gebiete und sandige Flussläufe.
Kobragift
Das Gift der Kobras ist ein starkes Neurotoxin und wirkt direkt auf das zentrale Nervensystem, wo es das Atemzentrum lähmt und Herzstillstand verursacht. Durch den Biss kann das Opfer gelähmt oder getötet werden.
Einige Arten sind in der Lage, ihr Gift über kurze Entfernung einem Angreifer zielsicher in die Augen zu spritzen, was stark brennende Schmerzen und Schwellungen erzeugt und zu Blindheit führen kann. Besonders trifft diese Art der Verteidigung auf die afrikanischen Speikobras zu, die fähig sind, ihr Gift bis zu vier Meter weit zu spritzen. Das Gift dieser Arten hat, für Giftnattern untypisch, einen hohen Anteil gewebezerstörender Substanzen. Bisse, die den im gleichen Gebiet vorkommenden Puffottern zugeschrieben werden, sind zum Teil durch diese Kobras verursacht worden.
Das Kobragift ist für die medizinische Forschung von Bedeutung, da das Enzym Lecithinase wirksam gegen Viren eingesetzt werden kann. Inzwischen gibt es viele wirkungsvolle Seren, wodurch die Todesfälle durch Schlangenbisse zurückgegangen sind.
Vipern aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vipern
Wüsten-Hornviper
Systematik
Stamm:
Chordatiere (Chordata)
Unterstamm:
Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse:
Reptilien (Reptilia)
Ordnung:
Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung:
Schlangen (Serpentes)
Familie:
Vipern
Wissenschaftlicher Name
Viperidae
Oppel, 1811
Vipern oder Ottern (Viperidae), "Röhrenzähner", sind eine in Amerika, Afrika und Eurasien verbreitete Familie meist viviparer (lebendgebärender) Giftschlangen mit 35 Gattungen und ungefähr 260 Arten. In Europa sind sie mit neun Arten vertreten, in Australien, Ozeanien und auf Madagaskar fehlen sie völlig. Alle Arten dieses Taxons sind giftig.
Beschreibung
Je nach Art erreichen sie eine Länge von 30 cm bis über drei Meter. Die häufig gedrungenen, massig wirkenden Schlangen sind durch einen kurzen Schwanz und einen dreieckigen, meist deutlich vom Hals abgesetzten Kopf gekennzeichnet. Mit Ausnahme der Krötenvipern weisen alle Vipern senkrecht geschlitzte elliptische Pupillen auf,
ein Hinweis auf die zumeist dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise. Vipern sind selten auffällig, häufig in eher dunklen Erd- oder Olivtönen gefärbt.
Bei manchen Arten (ovovivipare Arten) reifen die Eier im Körper des Muttertieres und die Jungen schlüpfen bei der Eiablage, es gibt jedoch auch zahlreiche eierlegende (ovipare) Arten.
Vipern verfügen über einen hochentwickelten Giftapparat mit beweglichen röhrenartigen (solenoglyphen) Giftzähnen. Bei geschlossenem Maul liegen die Giftzähne "eingeklappt" in einer Bindegewebsfalte im Gaumendach und werden beim Aufreißen des Mauls durch die Drehung zweier Knochen (Maxillar- und Präfrontalknochen) senkrecht zum Oberkiefer aufgerichtet. Hierdurch wird ein sehr tiefes Eindringen der Zähne in die Beute ermöglicht, und es kann eine effektive Injektion des Schlangengiftes erfolgen.
Schlangengift

Die meisten Viperngifte sind vor allem hämotoxisch, zerstören also vor allem Zellen des Blutes und die sie umgebenden Gewebe durch verschiedene Proteasen. Hämotoxine führen zu umfassenden Gewebezerstörungen, inneren Blutungen und Schwellungen sowie Nekrosen und sind sehr schmerzhaft. Zu den wirksamsten Bestandteilen des Giftes gehören zudem Proteine, die die Blutgerinnung unterdrücken und damit gemeinsam mit den gewebezerstörenden Anteilen innere Blutungen verursachen. Blutungen treten dabei unter der Haut, in Nasen- und Mundhöhle und vor allem auch in Darm und Gehirn der Beutetiere auf. Neben diesen gibt es bei einigen Arten zudem neurotoxische Bestandteile, die auf das Nervensystem des Opfers wirken und Lähmungen hervorrufen. Diese kommen vor allem bei einigen Klapperschlangen wie der südamerikanischen Schauerklapperschlange (Crotalus durissus) oder einigen Puffottern (Bitis) vor.
Systematik
Innerhalb der Vipern unterscheidet man etwa 260 Arten, die rund 35 Gattungen in drei Unterfamilien zugeordnet werden (s.o.). Die Hauptgruppen innerhalb der Vipern sind zum einen die Echten Vipern (Viperinae) und zum anderen die Grubenottern (Crotalinae), zu denen z.B. die Klapperschlangen (Crotalus) gehören. Im Unterschied zu diesen fehlt den Echten Vipern das vor den Augen liegende Grubenorgan, ein Wärmesinnesorgan.
Eine weitere Unterfamilie, die Azemiopinae, besteht aus nur einer Art, der Fea-Viper (Azemiops feae).
Folgende rezente Gattungen werden den Vipern zugeordnet:
• Urtümliche Vipern (Azemiopinae)
o Fea-Vipern (Azemiops)
• Grubenottern (Crotalinae)
o Dreieckskopfottern (Agkistrodon)
o Atropoides
o Palmlanzenottern (Bothriechis)
o Bothriopsis
o Bothrocophias
o Amerikanische Lanzenottern (Bothrops)
o Mokassin-Grubenottern (Calloselasma)
o Cerrophidion
o Klapperschlangen (Crotalus)
o Chinesische Nasenottern (Deinagkistrodon)
o Ermia (auch Zhaoermia)
o Halysottern (Gloydius)
o Ceylon-Nasenottern (Hypnale)
o Buschmeister (Lachesis)
o Ophryacus
o Gebirgs-Grubenottern (Ovophis)
o Hakennasen-Lanzenottern (Porthidium)
o Protobothrops
o Zwergklapperschlangen (Sistrurus)
o Triceratolepidophis
o Bambusottern (Trimeresurus)
o Tropidolaemus
• Krötenvipern (Causinae)
o Krötenvipern (Causus)
• Echte Vipern (Viperinae)
o Adenorhinos
o Buschvipern (Atheris)
o Puffottern (Bitis)
o Afrikanische Hornvipern (Cerastes)
o Orientalische Ottern (Daboia)
o Sandrasselottern (Echis)
o MacMahon-Vipern (Eristicophis)
o Großvipern (Macrovipera)
o Montatheris
o Afrikanische Sumpfvipern (Proatheris)
o Persische Trughornvipern (Pseudocerastes)
o Echte Ottern (Vipera)
Skorpione:
Leiurus quinquestriatus (es gibt hierzu keinen deutschen Namen)
Sahara-Dickschwanzskorpion
Felsenskorpion
Kaiserskorpion
Skorpione
aus Wikipedia, der freien EnzyklopädieSkorpione

Skorpion
Systematik
ohne Rang: Urmünder (Protostomia)
Überstamm:
Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm:
Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm:
Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse:
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung:
Skorpione
Wissenschaftlicher Name
Scorpiones
Latreille, 1810
Die Skorpione (Scorpiones) sind eine Ordnung der Spinnentiere (Arachnida). Weltweit sind etwa 1400 Arten bekannt. Skorpione erreichen Körpergrößen zwischen 9 Millimetern bei der Art Typhlochactas mitchelli und 21 Zentimetern bei den Kaiserskorpionen (Pandinus imperator) und Hadogenes troglodytes.
Sie leben vorwiegend in sandigen oder steinigen Böden oder in Bodennähe der Tropen und Subtropen, Wüsten und Halbwüsten. Wenige Arten sind kletternde Baumbewohner, Wanderer oder Höhlenbewohner und halten sich als Kulturfolger in der Nähe menschlicher Behausungen auf. Es gibt nur eine geringe Anzahl von Arten, deren Stich für den Menschen tödlich sein kann.
Bau der Skorpione
Äußere AnatomieDer Körper der Skorpione ist undeutlich in einen Vorderkörper (Prosoma) und einem deutlich zweigeteiltem Hinterleib (Ophisthosoma) gegliedert. Das Ophistosoma besteht aus einem breiten Teil, dem Mesosoma, sowie einem schwanzartig verlängerten Metasoma.
Der Vorderkörper besteht aus sechs Segmenten und trägt die Extremitäten. Zu ihnen gehören die relativ kleinen, dreigliedrigen, Kieferklauen (Chelicere), denen die imposanten Pedipalpen folgen. Diese sind zu großen Fangarmen ausgebildet, die am Ende in einer Schere enden. Skorpione sind in der Lage, mit ihren kräftigen Scheren Erdgänge und Höhlen zu graben. Außerdem dienen die Scheren zum Fang und Festhalten der Beute, meist andere Gliederfüßer oder kleinere Wirbeltiere. Die Cheliceren dienen zur Nahrungszerkleinerung und arbeiten gegen die Basen der Pedipalpen und der folgenden beiden Laufbeinpaare, die die untere Begrenzung des Mundraumes bilden (Gnathobasis).
Ihre Beute nehmen die Skorpione im Wesentlichen durch ihre lyraförmigen Organe wahr. Ein Skorpion erkennt eine grabende Schabe an den Vibrationen aus 50 Zentimetern Entfernung. Die Augen der Skorpione eignen sich nur zum groben Orientieren (Sonnenstand, Mondschein etc.). Diese nervöse Leistung wird durch eine Kette von Ganglien, der Bauchganglienkette, erbracht, die bei Webspinnen bereits zum Bauchganglion verschmolzen ist. Der Vorderkörper ist außerdem mit einem großen medialen Augenpaar und bis zu fünf kleineren Punktaugenpaaren ausgestattet.

Skorpion in Detailansicht
Den Scherenbeinen folgen vier Paar Laufbeine. Das zweite Hinterleibssegment der Skorpione trägt die Genitalplatten und im hinteren Bereich auffällige kammartige Strukturen, die als Kammorgan (Pecten) bezeichnet werden. Im Hinterleib sitzt, wie bei den Webspinnen, die Fächerlunge. Der Anus endet im fünften Hinterleibssegment.
Der Hinterleib, das Opisthosoma, besteht aus Chitinringen, die untereinander beweglich verbunden sind. Dadurch sind sie formfest und erhalten zugleich eine extreme Beweglichkeit. Bei der Fortbewegung wird dieser Teil aufrecht über dem Körper der Skorpione getragen. Das Opisthosoma weist 13 Segmente auf, von denen die letzten 5 Segmente wie bei den Seeskorpionen (Eurypteriden) zu schmalen Ringen verengt sind und das Metasoma bilden. Dieses Metasoma trägt das Telson (Endstachel und Giftblase). Größere Beutetiere werden mit einem Stich durch den Stachel getötet.
Innere Anatomie
Wie bei allen Gliederfüßern setzen die Muskeln der Skorpione an den Innenflächen sowie an Spangen des Chitinskeletts an. Sie sind innerviert durch Nerven, die von einem zentralen Bauchmark mit sieben Nervenknoten (Ganglien) ausstrahlen. Neben dem Bauchmark gibt es außerdem ein Gehirn aus zwei großen Ganglien, welche im Kopfbereich liegen und den Schlundbereich umspannen.
Das Verdauungssystem beginnt mit einem Mundbereich, welcher mit einem muskulösen Schlund ausgestattet ist. Dieser funktioniert wie eine Pumpe, der die vorverdaute Nahrung in den Mund saugt, von wo sie dann in den Vorder- und Mitteldarm geleitet wird. Die Verdauung erfolgt im Mitteldarm, in den mehrere Drüsen münden, die die erforderlichen Enzyme wie Amylasen, Proteasen und Lipasen produzieren. Als Speicherorgan dient ein großes Hepatopankreas (entspricht einer Kombination aus der Leber und der Bauchspeicheldrüse), das bis zu 20 Prozent des Körpergewichts der Tiere ausmachen kann. Die Speicherung der Nährstoffe erfolgt als Glykogen. Die Metabolismusrate der Tiere ist sehr gering und die Nahrung kann sehr effektiv verwertet werden, außerdem können Skorpione mit einer Nahrungsaufnahme bis zu einem Drittel ihres eigenen Körpergewichts aufnehmen. Durch diese Anpassungen können Skorpione bis zu 12 Monate hungern.
Die Exkretion erfolgt, wie bei anderen Gliederfüßern auch, über Malpighische Gefäße, die in den Darm im Bereich des Übergangs zwischen Mitteldarm und Enddarm enden und die Stickstoffverbindungen in diesen abgeben. Diese Exkretion erfolgt mit nur sehr geringem Wasserverlust, die Stoffe werden als Harnsäure mit dem Kot abgegeben.
Das Blutgefäßsystem ist mit Ausnahme des dorsalen Herzschlauchs offen, das Blut (Hämolymphe) flottiert entsprechend frei im Körper und in den Blutsinus (s.g. Blutsinus) im Gewebe der Tiere. Die Atmung erfolgt über Buchlungen, die an der Unterseite der Skorpione als Einfaltung der Cuticula vorhanden sind. In diesen wird der Sauerstoff in die Hämolymphe abgegeben.
Die Gonaden sind bei beiden Geschlechtern paarig als ein Netzwerk von Schläuchen angelegt, welches sich auf den ersten Blick nicht unterscheiden lässt. Die Männchen produzieren in ihren Hodenschläuchen Spermien, die in besonderen Organen (Paraxialorgan) zu Spermatophoren verpackt werden. Die Weibchen produzieren Eier, die artspezifisch mit oder ohne Dottervorrat angelegt werden. Bei den apoikogenischen Eiern existiert ein Dotter, der von den Embryonen als Nahrung genutzt wird, die Jungskorpione aus katoikogenischen Eiern greifen stattdessen mit ihren Cheliceren nach speziellen Futterdivertikeln im weiblichen Uterus und werden auf diese Weise ernährt.
Verbreitung und Lebensraum
Skorpione finden sich weltweit auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. In Amerika reicht ihr Verbreitungsgebiet von Südkanada bis ins südliche Südamerika. In Europa findet man sie mit einer nördlichen Verbreitung bis Süddeutschland und vor allem südlich der Alpen. In Großbritannien und Neuseeland wurden Skorpione als Neozoen eingeschleppt. Der Schwerpunkt liegt aber in tropischen und subtropischen Regionen. Die größte Artenvielfalt findet sich in den mexikanischen Wüstengebieten. Die Tiere finden sich in den meisten Lebensräumen wie Wüsten und Halbwüsten, in der grasbewachsenen Savanne, in tropischen Wäldern, an Küsten in der Gezeitenzone, vereinzelt auch in Höhlen. Viele graben sich in den Untergrund ein, während manche Arten in Bäumen leben. Alacran tartarus ist ein Höhlenbewohner und kann bis zu 800 Metern unter der Oberfläche gefunden werden.
Die meisten Arten sind aber bodenlebend und werden nach McDaniels 1968 in vier Grundtypen aufgeteilt:
• Psammophile Skorpione sind an sandige Habitate angepasst. Sie sind auf diesem Untergrund sehr schnelle Läufer und gut gegen Austrocknung geschützt.
• Lithophile Skorpione leben bevorzugt in Felslebensräumen und sind meist flach gebaut, damit sie sich gut zwischen Steinen bewegen können.
• Grabende Skorpione leben vor allem unterirdisch in selbst gegrabenen Höhlen. Sie verlassen diese nur zur Jagd und zur Fortpflanzung.
• Wandernde Skorpione wechseln ihren Lebensraum und sind entsprechend wenig an bestimmte Verhältnisse angepasst.
Skorpione gelten traditionell als in trockenen Lebensräumen gedeihende Tiere, doch sind viele Arten auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen.
Lebensweise
ErnährungSkorpione ernähren sich von diversen wirbellosen Tieren wie Insekten (Insecta) oder Spinnentieren (Arachnida), seltener auch von Schnecken oder kleinen Wirbeltieren wie Nagern, Schlangen und Eidechsen. Die Nahrungswahl ist dabei artspezifisch mehr oder weniger ausgeprägt, nur die Art Isometroides vescus gilt als Nahrungsspezialist und ernährt sich ausschließlich von wenigen grabenden Spinnenarten.
Skorpione sind ausschließlich nachtaktiv. Die meisten Arten lauern ihrer Beute in der Nähe ihrer Höhle oder anderer Unterschlupfmöglichkeiten auf. Einige Arten sind in der Lage, auch fliegende Insekten zu fangen. Auch aktive Jäger gibt es unter den Skorpionen, dabei handelt es sich meist um schlanke Tiere mit sehr starken Giften. Beim Beutefang werden die beiden Pedipalpen als Greifzangen eingesetzt, falls sich das Opfer nicht schon dadurch wehrunfähig machen lässt, kommt der Stachel zum Einsatz, der in weniger als einer Sekunde über den Kopf hinweg geführt wird und Gift in das Beutetier injiziert. Mit den Kieferklauen wird es nun zerkleinert, während gleichzeitig Enzyme die Nahrung vorverdauen. Der flüssige Nahrungsbrei wird dann durch den Schlund in den Darm gesaugt. Der Fressvorgang kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Viele Skorpione sind in der Lage, für längere Zeit, manche Arten sogar ein bis zwei Jahre, ohne Nahrung auszukommen, da ihr Ruhestoffwechsel kaum Energie verbraucht.
Fressfeinde und Verteidigung

Skorpion in Drohhaltung
Skorpione sind eine beliebte Beute für verschiedene Vögel (vor allem Eulen), Eidechsen, Schlangen, große Frösche und Säugetiere. Außerdem jagen viele Skorpione selbst andere Skorpione, sowohl der eigenen Art als auch andere Arten, und auch unter größeren Gliederfüßern haben sie Feinde wie Hundertfüßer, Walzenspinnen und Webspinnen.
Um sich gegen Fressfeinde zur Wehr zu setzen haben Skorpione mehrere Abwehrmechanismen entwickelt. Die auffälligste Verteidigung ist die Ausstattung mit einem Giftstachel und einem hochpotenten Gift. Dieses Gift besteht bei den meisten Skorpionen aus zwei Komponenten, einer zum Töten von Gliederfüßern als Nahrung und einer gegen Wirbeltiere zur Verteidigung. Das Gift der meisten Skorpione ist in der Regel für große Wirbeltiere nur wenig gefährlich. Einige Arten besitzen allerdings Gifte, die auch für den Menschen schädlich oder gar tödlich sein können. Die Gifte selbst sind Mischungen verschiedener Bestandteile, die als Neurotoxin wirken. Besonders starke Gifte finden sich bei Vertretern der Buthidae (LD50-Wert zwischen 0,25 ppm (Millionstel Teilen) und 4,25 ppm bei der Maus). Jährlich sterben weltweit je nach Quelle etwa 1000 bis 5000 Menschen durch Skorpionstiche, vor allem in Mexiko. Bei einer tödlichen Giftdosis tritt der Tod innerhalb von fünf bis 20 Stunden durch Atemstillstand ein. Einige Tierarten haben sich auf Skorpione soweit spezialisiert, dass sie gegen die Gifte immun sind oder Verhaltensweisen besitzen, die es ihnen ermöglichen, dem Stich zu entgehen.
Ihre nächtliche Lebensweise und ihr Verhalten, sich fast immer in Verstecken aufzuhalten, vermeidet außerdem den Kontakt mit potenziellen Feinden.
Sozialverhalten
Die meisten Skorpione sind Einzelgänger, die mit anderen Skorpionen nur in der Zeit nach der Geburt, als Jäger oder Gejagte sowie zur Paarungszeit zusammentreffen.
Einige Arten zeigen jedoch ein ausgeprägtes Sozialverhalten. So gibt es Arten, die gemeinsam im gleichen Unterschlupf überwintern und dazu Aggregationen bilden. Bei einigen Arten, etwa dem Kaiserskorpion (Pandinus imperator) bleibt auch die Bindung zwischen den Jungskorpionen eines Wurfes bestehen, und sie bilden Familiengruppen, die sogar gemeinsam jagen.
Fortpflanzung und Entwicklung
Zu den wichtigsten Voraussetzungen für die Besiedlung des extrem trockenen Lebensraumes gehört die Gewährleistung der Fortpflanzung und somit der Schutz der Eier und Spermien vor Austrocknung.
Paarung und Paarungstanz
Die Männchen der Skorpione legen die Spermien in einen dafür gebildeten Behälter, die Spermatophore, ab. Diese bietet den Spermien einen Schutz vor äußeren Einflüssen. Da die meisten Arten jedoch in sehr trockenen Gegenden leben, ist auch dieser Schutz allein nicht ausreichend, wenn die Spermatophore nicht innerhalb kürzester Zeit vom Weibchen aufgenommen wird. Der „Hochzeitstanz“ der Skorpione dient dieser Funktion. Ein solcher wurde auch in dem Walt-Disney-Film „Die Wüste lebt“ gezeigt.
Zur Paarungszeit verströmen die Weibchen Sexuallockstoffe (Pheromone), die die Männchen zu ihnen führen. Haben die Männchen eines gefunden, versuchen sie durch Zuckbewegungen (juddering), dieses in Paarungsstimmung zu versetzen. Hat das Männchen seine Partnerin „überredet“, greifen sie sich an den Scheren und der manchmal Stunden andauernde Paarungstanz beginnt. Zu Beginn des Paarungstanzes halten sich die Männchen vieler Skorpionarten nicht nur mit den Scheren am Weibchen fest. Sie stechen ihren Giftstachel in die dünne Haut am Scherenarm des Weibchens. Vermutet wird eine Stimulation des Weibchen, es ist jedoch nicht geklärt, ob das Männchen dem Weibchen auch Gift einspritzt.
Beim Paarungstanz führt das Männchen das Weibchen manchmal über viele Meter, und versucht mit den Kammorganen (Pectines) auf der Bauchseite einen geeigneten Ablageplatz für seine Spermatophore zu finden. Hat es ihn ertastet, verharrt es kurz und setzt die Spermatophore ab. Dann zieht es das Weibchen darüber hinweg, so dass das Sperma direkt in dessen Genitalporus eindringen kann. Damit ist der Tanz beendet und die Partner trennen sich schnell – manchmal endet er allerdings auch mit dem Verzehr des Gatten (Kannibalismus). Beide Geschlechter können sich in ihrem Leben mehrmals verpaaren, wobei Weibchen der Buthidae auch bei Paarungen beobachtet wurden, während sie die Brut der letzten Paarung noch auf dem Rücken trugen.
Entwicklung
Nach einigen (bis zu zwölf) Monaten gebärt das Weibchen lebende Junge (Viviparie), die Eier werden also bereits im Uterus „ausgebrütet“. Die Jungskorpione sind bei der Geburt weiß und jedes ist einzeln von einer Embryohaut, dem Chorion, umschlossen. Nachdem sich die Jungskorpione aus dieser befreit haben, steigen sie auf den Rücken der Mutter, die sie bis zur ersten Häutung nach etwa 50 Tagen herumträgt. Dies vermindert die Gefahren für die kleinen Skorpione, die ihnen vor allem von männlichen Artgenossen drohen. Deshalb verhält sich das Weibchen in dieser Zeit extrem aggressiv gegenüber anderen Skorpionen. Die Anzahl der jungen Skorpione kann artspezifisch zwischen 25 und über 100 betragen. Die Ernährung der Jungskorpione erfolgt in dieser Zeit durch körpereigene Reserven, Flüssigkeit bekommen sie durch die Rückenhaut der Mutter.
Nach der ersten Häutung verlassen die Jungen ihre Mutter und sind auf sich selbst gestellt. Die weitere Entwicklung läuft über mehrere, meist fünf, weitere Häutungen. Danach sind die Tiere geschlechtsreif. Nach dem Erreichen dieser Geschlechtsreife finden keine weiteren Häutungen mehr statt.
Gefährdung
Skorpione stehen derzeit nicht auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN). Drei Arten, der Kaiserskorpion (Pandinus imperator) sowie Pandinus dictator und Pandinus gambiensis werden allerdings in Anhang II des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens geführt und sind daher Exportkontrollen unterworfen.
Stammesgeschichte
Als Landbewohner mit einer relativ dünnen Chitinschicht hinterlassen Skorpione nur sehr selten Fossilreste, entsprechend wenig ist bekannt über die Evolution der Tiere. Die meisten Erkenntnisse stammen aus der phylogenetischen Forschung. So kann aufgrund der Position der Skorpione an der Basis der Spinnentiere davon ausgegangen werden, dass die Skorpione von marinen Formen abstammen, die gleichzeitig auch die Stammarten der an den Meeresküsten lebenden Pfeilschwanzkrebse (Xiphosura) und der ausgestorbenen Seeskorpione (Eurypterida) gewesen sein dürften. Alle meereslebenden Arten benutzten noch Kiemen zur Atmung, die bei den Pfeilschwanzkrebsen an der hinteren Innenseite von Extremitäten angelegt waren. Die Fächerlungen der Skorpione sind aus den Kiemen ihrer Vorfahren hervorgegangen.
Erste Fossilien eindeutig landlebender Skorpione fanden sich aus dem späten Silur vor etwa 430 bis 390 Millionen Jahren. Diese frühen Arten waren wahrscheinlich amphibisch lebende Formen, die mit Kiemen ausgestattet und an das Leben an den Meeresküsten und im Tidenbereich angepasst waren.
Eine Aufsplitterung der Formen begann ebenfalls zu dieser Zeit und war im Karbon bzw. spätestens im Devon vor etwa 325 Millionen Jahren bereits abgeschlossen. Aus dieser Zeit sind Fossilien beinahe aller heute lebenden Skorpionstaxa bekannt, von denen die größten mehr als 85 Zentimeter lang wurden.
Die Skorpione stellen die ursprünglichste Gruppe innerhalb der Spinnentiere dar und werden entsprechend als Schwestergruppe aller anderen Spinnentiere angesehen.
Systematik
Die systematische Einteilung der Skorpione erfolgt auf der Basis von morphologischen Eigenschaften wie der Form des Brustpanzers, der Mundstrukturen, der Bezahnung der Cheliceren, der Gestaltung der Beine, der Giftblase und vielen weiteren Merkmalen. Daneben spielen Besonderheiten der Embryologie sowie der inneren Anatomie eine Rolle.
Aktuell werden die heute lebenden (rezenten) Skorpione meist in 13 Familien aufgeteilt (nach Fet et al. 2000):
• Bothriuridae Simon, 1880
• Buthidae C.L. Koch, 1837
• Caraboctonidae Kraepelin, 1905
• Chactidae Pocock, 1893
• Chaerilidae Pocock, 1893
• Euscorpiidae Laurie, 1896
• Hemiscorpiidae Pocock, 1893
• Iuridae Thorell, 1876
• Microcharmidae Lourenço, 1996
• Pseudochactidae Gromov, 1998
• Scorpionidae Latreille, 1802
• Superstitioniidae Stahnke, 1940
• Vaejovidae Thorell, 1876
Die Buthidae stellen dabei mit über 600 Arten die größte Familie dar, die auch gleichzeitig die meisten gefährlich giftigen Vertreter beinhaltet.
Mensch und Skorpione
Skorpione in der Kulturgeschichte
Schüssel mit Skorpionrelief
Skorpione spielen in der Kulturgeschichte seit Jahrtausenden eine Rolle. Sie werden in den Sagen und Mythen meist als gefährliche, todbringende Wesen dargestellt. Bereits das sumerische Gilgamesch-Epos erzählt von Skorpionmenschen, deren Oberkörper Menschengestalt und Unterkörper Skorpionsgestalt hat. Als der Held Gilgamesch den Berg Mâschu betritt, stellen sich ihm ein solcher Skorpionmann und eine Skorpionfrau in den Weg, deren „Furchtbarkeit ungeheuer ist, deren Anblick Tod ist“. Sie bewachen dort den Aus- und Einzug der Sonne. Noch nie hat es ein Mensch gewagt, diesen Weg zu gehen, doch Gilgamesch gelingt es, an den Skorpionen vorbeizukommen.
Die ägyptische Mythologie kennt die Göttin Selket, welche stets mit einem Skorpion auf dem Kopf dargestellt wird. Sie verfügt über magische Heilkräfte und bewahrt vor Skorpionsstichen, weshalb sie in entsprechenden Schutzzaubern angerufen wird. Als die Göttin Isis von Seth bedroht wird, sendet sie sieben Skorpione aus, um sie vor ihm zu schützen.
In der griechischen Mythologie bringt die wütende Göttin Artemis einen Skorpion hervor, der den Jäger Orion mit einem Stich tötet. Beide werden daraufhin zusammen als Sternenbilder an den Himmel versetzt. Ihre Feindschaft lebt dort weiter, denn man sieht die zwei Sternbilder nie zur gleichen Zeit.
Auch in der biblischen Offenbarung des Johannes treten Skorpione während der Apokalypse auf. Die fünfte Posaune ruft Heuschrecken hervor, die eine Kraft erhalten „wie sie Skorpione auf der Erde haben.“ (Offb 9,3). Der von ihnen verursachte Schmerz wird mit dem eines stechenden Skorpions (Offb 9,5) verglichen, denn sie besitzen Schwänze mit Stacheln wie die Skorpione, und setzen diese ein, um den Menschen fünf Monate lang zu schaden (Offb 9,10).
Im Aberglauben und der Volksmedizin spielt der Skorpion vor allem aufgrund seines Giftes in einigen Völkern eine große Rolle. Konrad von Megenberg beschrieb die Tiere in seinem Buch der Natur als
„eine Schlangenart, welche ein gar zartes Gesicht hat, dem Antlitz einer keuschen Jungfrau zu vergleichen. Wer vom Skorpion vergiftet wird, hat noch drei Tage Zeit, ehe er sterben muß.“
Er führt seine Beschreibung weiter, indem er von zweistachligen Skorpionen berichtet, von denen Aristoteles berichtet hat. Unter den Schweinen soll das Gift nur schwarze Schweine sicher töten, beschleunigt wenn diese ins Wasser gehen. Beim Menschen greift der Skorpion zudem nur behaarte Körperstellen an und sticht niemals in die hohle Hand. Ein weiteres Kuriosum weiß Megenberg zu berichten:
„Wenn man einen Skorpion in Öl ertränkt und bei Sonnenlicht Essig auf ihn gießt, wird er sofort wieder lebendig. Das Öl verstopft nämlich die kleinen Öffnungen an seinem Leibe, die beim Menschen Schweißlöcher und lateinisch Pori heißen. Der Essig dagegen öffnet beim Skorpion die Poren wieder.“
Weitere interessante Geschichten waren über die Entstehung der Skorpione verbreitet. Im Altertum gab es nach Otto Kellers „Antike Tierwelt“ die Vorstellung, Skorpione erwachsen aus gestorbenen Krokodilen oder (nach Plinius) aus begrabenen Seekrebsen wenn die Sonne das Sternbild des Krebses durchwandert. Nach Paracelsus entstanden Skorpione aus verfaulenden Artgenossen, die sie dadurch töteten. Ähnlich ist die Vorstellung, dass sich die Jungskorpione aus dem Bauch der Mutter herausfressen.
Im deutschen Aberglauben soll der Skorpion nachts fliegen und alles, was er berührt, vertrocknen lassen. Als Sternbild Skorpion taucht das Tier bereits in Kalenderzeichnungen der Babylonier auf. In der Wahrsagerei bedeutete der Skorpion einen frühen Tod.
Volksmedizin
Als Bild sollten Skorpione den bösen Blick abwenden, weshalb man ihr Bildnis auf Lampen und anderen Gegenständen finden kann. Als Talisman soll ein Skorpion die Stadt Emesa in Vorderasien vor echten Skorpionen und Schlangen beschützt haben.
Als giftiges Tier fand der Skorpion unterschiedlichste Verwendungen in der Volksmedizin. Nach Megenberg konnten Skorpionsasche, in Wein getrunken, und Skorpionsöl, mit dem man die Stichstellen einreiben musste, gegen das Gift der Tiere helfen. Das „Skorpenöl“ wurde gewonnen, indem lebende Skorpione in Olivenöl getaucht und dieses dann erhitzt wurde. Mit diesem Öl sollten sich verschiedenste Beschwerden heilen lassen, darunter Wunden, Koliken, Gicht und Ohrenschmerzen. In Tirol verwendete man das Öl sogar gegen Harnwegsbeschwerden und die Pest sowie gegen Bienen- und Wespenstiche. Die Galle der Skorpione wurde gegen Augenleiden und zur Hautverschönerung eingesetzt.
Die folgenden Daten und Angaben wurden der Homepage des Auswärtigen Amtes entnommen und können auch Aktuell unter der Homepage des Auswärtigen Amtes nachgelesen werden:
www.auswaertigesamt.de
Ländername: Königreich Marokko; Al-Mamlaka al-maghribiya; Royaume du Maroc
Klima: verschiedene Klimazonen; Rabat: atlantisches Klima, feucht-heiß im Sommer, feucht-kühl im Winter
Lage: Marokko liegt zwischen dem 28. und 36. Breitengrad und dem 1. und 13. Längengrad.
Größe des Landes: 459.000 qkm. (Westsahara-Gebiet zusätzlich ca. 266.000 qkm)
Hauptstadt: Rabat, ca. 700.000 Einwohner (mit Geschwisterstadt Salé ca. 1,6 Mio.).
Bevölkerung: ca. 30 Mio. Einwohner; Bevölkerungswachstum: ca 1,4%
Landessprachen: Offiziell Arabisch, gesprochen wird der maghrebinisch-arabische Dialekt. Lokal mehrere Berber-Sprachen. Französisch ist als Geschäfts- und Bildungssprache verbreitet.
Religion: Islam (Sunniten der malekitischen Rechtsschule)
Nationalfeiertag: 30. Juli (Thronbesteigung Mohammeds VI. 1999)
Unabhängigkeit: 1956
Regierungsform: Laut Verfassung konstitutionelle Monarchie; Elemente parlamentarischer Demokratie, zentrale Vorrechte des Königs
Staatsoberhaupt: Mohammed VI., König von Marokko seit 1999.
Regierungschef: Driss Jettou, seit 07. 11. 2002, parteilos
Außenminister: Mohamed Benaissa, seit 08.04.1999, Rassemblement national des indépendants (RNI)
Währung: 1 EUR = 11,04 Dirham (durchschnittlicher Umrechnungskurs im Jahr 2006)
Bruttoinlandsprodukt: 44,8 Mrd. € (2006); Anstieg um 8,1 % im Vergleich zum Vorjahr. Das Pro-Kopf-Einkommen beläuft sich auf 1.460 €.
Reise- und Sicherheitshinweise
Stand 21.09.2007(Unverändert gültig seit: 10.07.2007)
Weltweiter Sicherheitshinweis
Die weltweite Gefahr terroristischer Anschläge besteht fort.
Vorrangige Anschlagsziele sind Orte mit Symbolcharakter. Dazu zählen Regierungs- und Verwaltungsgebäude, Verkehrsinfrastruktur (insb. Flugzeuge, Bahnen, Schiffe), Wirtschafts- und Tourismuszentren, Hotels, Märkte, religiöse Versammlungsstätten sowie generell größere Menschenansammlungen. Es kommt zu Sprengstoffanschlägen, Angriffen mit Schusswaffen, Entführungen und Geiselnahmen.
Der Grad der terroristischen Bedrohung ist von Land zu Land unterschiedlich. Eine Anschlagsgefahr besteht insbesondere in Ländern und Regionen, wo bereits wiederholt Terrororganisationen aktiv waren, wo Terroristen über Rückhalt in der lokalen Bevölkerung verfügen oder wo Anschläge mangels effektiver Sicherheitsvorkehrungen vergleichsweise leicht verübt werden können. Informationen über Terrorgefahren finden sich in den länderspezifischen Sicherheitshinweisen. Diese werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst.
Die Gefahr, Opfer eines Anschlages zu werden ist im Vergleich zu anderen Risiken, die Reisen ins Ausland mit sich bringen, wie Unfällen, Erkrankungen oder gewöhnlicher Kriminalität, vergleichsweise gering.
Das Auswärtige Amt empfiehlt allen Reisenden nachdrücklich ein sicherheitsbewusstes und situationsgerechtes Verhalten. Reisende sollten sich vor und während einer Reise sorgfältig über die Verhältnisse in Ihrem Reiseland informieren, sich situationsangemessen verhalten, die örtlichen Medien verfolgen und verdächtige Vorgänge (unbeaufsichtigte Gepäckstücke in Flughäfen oder Bahnhöfen, verdächtiges Verhalten von Personen o.ä.) den örtlichen Polizei- oder Sicherheitsbehörden melden.
Landesspezifische Sicherheitshinweise
Am 6.7.2007 haben die marokkanischen Innenbehörden die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden erhöht.
Terrorismus: Die Anschlagsserie vom 16.05.03 in Casablanca sowie die terroristischen Attentate und Zwischenfälle der jüngeren Zeit mit mehreren Toten und zahlreichen Verletzten zeigen neben zahlreichen Verhaftungen und Gerichtsverfahren der letzten Monate, dass trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen der Regierung auch in Marokko terroristische Gruppen weiterhin aktiv sind und unverändert Anschläge planen. Das Auswärtige Amt rät daher – wie in allen Ländern der Region – zu erhöhter Aufmerksamkeit. Dies gilt insbesondere für Orte, an denen sich Touristen aufhalten, sowie religiöse Kultstätten.
Reisen über Land: Von Fahrten durch die Westsahara wird grundsätzlich abgeraten. Eine konsularische Betreuung durch die Botschaft Rabat ist dort aus praktischen und rechtlichen Gründen nicht möglich. Beim Grenzübertritt von Mauretanien in die Westsahara ist zudem eine Gefährdung durch nicht gekennzeichnete Minenfelder gegeben.
Im Rif-Gebirge werden mitunter Reisende von Rauschgifthändlern bedrängt (Steinwürfe, Straßensperren). Das Rif-Gebirge sollte daher nicht allein befahren werden. Insbesondere die Strecken zwischen Chefchaouen über Ketama nach Al-Hoceima sowie die Strasse von Ketama nach Fes sind äußerst problematisch. Rauschgiftbesitz wird rigoros verfolgt und mit hohen Haft- und Geldstrafen geahndet.
Allgemeine Reiseinformationen
Marokko verfügt - insbesondere in den touristischen Zentren wie Marrakesch und Agadir – über eine gute Infrastruktur .
Im Straßenverkehr ist größte Vorsicht geboten. Nachtfahrten sind zu vermeiden. Besonders unberechenbar fahren die Mercedes-Überlandtaxis. Sehr gefährlich sind Überholmanöver. Auch auf den Autobahnen ist jederzeit mit Fußgängern und Tieren zu rechnen.
Durchsetzung auch berechtigter Schadensersatzansprüche ist kaum möglich.
Die Landgrenze nach Algerien ist geschlossen.
Einreisebestimmungen für deutsche Staatsangehörige
Deutsche Staatsangehörige können für touristische Zwecke bis zu 90 Tagen visumsfrei nach Marokko einreisen und benötigen dazu einen deutschen Reisepass, der ab Einreise noch 6 Monate gültig ist. Die Ein- und Ausreise mit dem Personalausweis ist nur für Pauschaltouristen im Rahmen einer Gruppenreise möglich. Der Reisende sollte sich vor Antritt der Reise darüber unbedingt beim Veranstalter informieren.
Kinder benötigen für die Ein- und Ausreise entweder einen Kinderreisepass nach neuem Muster oder den bisherigen Kinderausweis als Passersatz, der ab dem 3. Lebensjahr mit einem Lichtbild versehen sein muss. Der Eintrag des Kindes in den Reisepass eines Elternteils ist ebenfalls anerkannt. Auch hier muss ab dem 3. Lebensjahr ein Lichtbild angebracht werden.
Eine Verlängerung des Aufenthalts ist grundsätzlich nicht möglich, es sei denn der Ausländerpolizei wird ein vollständiger Antrag mit Nachweis über finanzielle Mittel, ggf. Arbeitsvertrag in Marokko und Begründung, warum längerer Aufenthalt erforderlich ist, vorgelegt. Ein Aufenthalt über 90 Tage hinaus stellt einen Verstoss gegen das Aufenthaltsrecht dar und wird strafrechtlich geahndet.
Ein bei der Einreise eingeführtes Kraftfahrzeug, muss auch bei der Ausreise wieder ausgeführt werden. Andernfalls wird die Ausreise verweigert und es drohen hohe Zollstrafen (auch bei Unfallwagen).
Hinweis für Doppelstaater:
Personen, die neben der deutschen auch die marokkanische Staatsangehörigkeit besitzen, können in der Regel mit dem deutschen Reisepass ein- und ausreisen, müssen dann aber in den meisten Fällen auch den marokkanischen Personalausweis ( Carte d´Identité Nationale) vorlegen. (Achtung: Die Rückgabe des marokkanischen Passes an eine marokkanische Auslandsvertretung aus Anlass der Einbürgerung in den deutschen Staatsverband führt nicht zum Verlust der marokkanischen Staatsangehörigkeit).
Medizinische Hinweise
Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts empfiehlt als sinnvollen Impfschutz: Schutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A, bei Langzeitaufenthalt über drei Monate auch Hepatitis B. Bei besonderer Exposition (Landaufenthalt, Jagd, Jogging u.a.) kann Impfschutz gegen Tollwut und Typhus sinnvoll sein.
HIV / Aids ist im Lande wohl kein besonders großes Problem, aber wie in Europa eine gewisse Gefahr für alle, die Infektionsrisiken eingehen. Durch hygienisches Essen und Trinken (nur abgekochtes, nichts lau aufgewärmtes) und konsequenten Mückenschutz (Repellentien, Mückennetz, bedeckende Kleidung, Verhalten) können die meisten zum Teil auch gefährlichen Durchfälle und viele Infektionserkrankungen ganz vermieden werden. Dazu zählen auch das Denguefieber und die Malaria, die in einzelnen Provinzen, nicht aber in den Städten und Touristenorten ein Problem ist.
Medikamente zur Prophylaxe gegen Malaria sind allenfalls bei speziellen Reiserouten sinnvoll. Es sind verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente (z.B. Malarone, Doxycyclin, Lariam) auf dem Markt erhältlich. Die Auswahl und persönliche Anpassung sowie Nebenwirkungen bzw. Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten sollten unbedingt vor der Einnahme einer Chemoprophylaxe mit einem Tropen- bzw. Reisemediziner besprochen werden.
Die medizinische Versorgung im Lande ist mit Europa nicht ganz zu vergleichen und ist besonders auf dem Lande z.T. technisch, apparativ und/ oder hygienisch problematisch. Vielfach fehlen bes. auf dem Lande auch europäisch ausgebildete Englisch oder Französisch sprechende Ärzte.
Bitte beachten Sie neben unserem generellen Haftungsausschluss den folgenden wichtigen Hinweis:
Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der medizinischen Informationen sowie eine Haftung für eventuell eintretende Schäden kann nicht übernommen werden. Für Ihre Gesundheit bleiben Sie selbst verantwortlich.
Die Angaben sind
• zur Information medizinisch Vorgebildeter gedacht. Sie ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes;
• auf die direkte Einreise aus Deutschland in ein Reiseland, insbes. bei längeren Aufenthalten vor Ort zugeschnitten. Für kürzere Reisen, Einreisen aus Drittländern und Reisen in andere Gebiete des Landes können Abweichungen gelten;
• immer auch abhängig von den individuellen Verhältnissen des Reisenden zu sehen. Eine vorherige eingehende medizinische Beratung durch einen Arzt / Tropenmediziner ist im gegebenen Fall regelmäßig zu empfehlen;
• trotz größtmöglicher Bemühungen immer nur ein Beratungsangebot. Sie können weder alle medizinischen Aspekte abdecken, noch alle Zweifel beseitigen oder immer völlig aktuell sein.
Besondere Zollvorschriften
Eingeführte Kfz, die nicht wieder ausgeführt werden (z. B. bei Verkauf, Unfall), müssen verzollt werden.
Mit Wirkung vom 15. Mai 2007 ist die Einfuhr von Barmitteln, deren Gegenwert 100.000,- Dirham (derzeit 8.970,- €) übersteigt, bei der Einreise nach Marokko zwingend zu deklarieren. Unterbleibt eine Deklaration, kann bei der Ausreise in Ermangelung des Einfuhrnachweises ein Bußgeld inHöhe von 5%- 100% der noch vorhandenen Summe verhängt werden.
Die Ein- und Ausfuhr von Landeswährung in bar ist nur bis zum Höchstbetrag von 1.000,- Dirham zulässig. Dirhambestände können bei der Ausreise unter Vorlage der Umtauschbescheinigung in Devisen zurückgetauscht werden.
Besondere strafrechtliche Bestimmungen
Der Besitz von Rauschgift wird in Marokko mit Haftstrafen von bis zu 10 Jahren sowie hohen Geld- und Zollstrafen geahndet. Bereits der Besitz kleinster Mengen ist strafbar. Besondere Vorsicht gilt bei Fahrten durch das Rifgebirge, dem weltweit größten Cannabisanbaugebiet.
Außereheliche und gleichgeschlechtliche Sexualbeziehungen sind in Marokko Straftatbestände. Pädophile Handlungen werden strafrechtlich verfolgt.
Haftungsausschluss
Reise- und Sicherheitshinweise beruhen auf den zum angegebenen Zeitpunkt verfügbaren und als vertrauenswürdig eingeschätzten Informationen des Auswärtigen Amts. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit sowie eine Haftung für eventuell eintretende Schäden kann nicht übernommen werden. Gefahrenlagen sind oft unübersichtlich und können sich rasch ändern. Die Entscheidung über die Durchführung einer Reise liegt allein in Ihrer Verantwortung. Diese kann Ihnen vom Auswärtigen Amt nicht abgenommen werden. Hinweise auf besondere Rechtsvorschriften im Ausland betreffen immer nur wenige ausgewählte Fragen. Gesetzliche Vorschriften können sich zudem jederzeit ändern, ohne dass das Auswärtige Amt hiervon unterrichtet wird. Die Kontaktaufnahme mit der zuständigen diplomatischen oder konsularischen Vertretung des Ziellandes wird im Zweifelsfall empfohlen.
Das Auswärtige Amt rät dringend, die in den Reise- und Sicherheitshinweisen enthaltenen Empfehlungen zu beachten sowie einen Auslands-Krankenversicherungsschutz mit Rückholversicherung abzuschließen. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass Ihnen Kosten für erforderlich werdende Hilfsmaßnahmen in Rechnung gestellt werden. Dies sieht das Konsulargesetz vor.
Auswärtiges Amt
Bürgerservice
Arbeitseinheit 040
D-11013 Berlin
Tel.: (030) 5000-2000
Fax: (030) 5000-51000
Beziehungen zwischen Marokko und Deutschland
Politische Beziehungen und BesucheraustauschDie Bundesrepublik Deutschland unterhält mit Marokko seit seiner erneuten Unabhängigkeit im Jahre 1956 diplomatische Beziehungen. Im Jahr 2006 haben der marokkanische Ministerpräsident Driss Jettou und mehrere Fachminister Deutschland besucht. Im September 2006 war Bundesentwicklungsministerin Wieczorek-Zeul in Marokko. Bundesminister Steinmeier besucht im Rahmen einer Maghrebreise vom 17. bis 18. November 2006 Rabat. Vom 1. bis 3. November 2006 war Bundestagspräsident Lammert, gefolgt von parlamentarischen Delegationen unter Leitung von MdB Däubler-Gmelin (Dez. 06) und MdB Hagedorn (April 07), in Rabat. Gegen Ende der deutschen EU-Präsidentschaft besuchte StM Gloser erneut Marokko (Juni 07).
Umgekehrt hielt sich eine marokkanische Delegation unter Leitung von Innenminister Benmoussa im Februar 2007 in Berlin auf, um den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara zu erläutern.
In Deutschland leben mehr als 80.000 Menschen marokkanischer Abstammung. Viele von ihnen haben die deutsche wie die marokkanische Staatsangehörigkeit. 22.000 Kinder nehmen am Muttersprachenprogramm in Deutschland teil.
Deutschland setzt sich für die friedliche Lösung des Westsahara-Konfliktes ein und unterstützt die Bemühungen der Vereinten Nationen aktiv.
Wirtschaftsbeziehungen
In der Rangfolge der Handelspartner Deutschlands belegt Marokko bei den Einfuhren Rang 67 und bei den Ausfuhren Rang 59. Als Handelspartner Marokkos liegt Deutschland bei den marokkanischen Importen an 6. Stelle, bei den Exporten auf dem 7. Rang. Deutschland hat weiterhin einen deutlichen Außenhandelsüberschuss gegenüber Marokko. Nach marokkanischen Angaben stiegen die Exporte nach Marokko 2006 von 772 Mio. auf 869 Mio. € + 12,6%), die marokkanischen Exporte nach Deutschland betrugen 2006 273,7 Mio. € nach 287,7 Mio. € im Vorjahr (-5,5 %). Die Zahlen des statistischen Bundesamtes verzeichnen allerdings für Marokko einen fast doppelt so hohen Wert der
Exporte nach Deutschland (508,1 Mio. €). Dies könnte daran liegen, dass viele endgültig nach Deutschland gehende Exporte über französische Zwischenhändler oder –märkte gehandelt werden. So läuft z.B. fast der gesamte marokkanische Obst- und Gemüseexport über den Großmarkt St. Charles in Perpignan.
Wichtigste deutsche Exportgüter nach Marokko waren Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse mit zweistelligen Zuwachsraten. Aus Marokko bezog Deutschland hauptsächlich, jedoch mit rückläufiger Tendenz, Textilien sowie Nahrungsmittel.
Marktchancen für deutsche Unternehmen gibt es insbesondere im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Marokko ist bevorzugtes Empfängerland zahlreicher Geberländer und –institutionen. Vor allem in den Bereichen Umwelt, (Ab-)Wasser, Abfall und Energie bieten sich Möglichkeiten für deutsche Unternehmen.
Entwicklungszusammenarbeit
Bei den letzten Regierungsverhandlungen über Entwicklungszusammenarbeit, die am 12. und 13. September 2006 in Rabat stattfanden, wurden für die Jahre 2006 und 2007 insgesamt 103,7 Mio. Euro bereitgestellt. Davon entfielen 90,7 Mio. Euro auf die finanzielle Zusammenarbeit (14,7 Mio. Euro Zuschüsse und 29,5 Mio. Euro Kredite zu vergünstigten Konditionen, die im Rahmen von Verbundfinanzierung durch marktübliche Finanzierungen in Höhe von 46,5 Mio. Euro ergänzt werden) und 13,0 Mio. Euro auf die technische Zusammenarbeit (als Zuschuss)
Die Neuzusagen beinhalten Maßnahmen in den Bereichen Umweltschutz, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie integriertes Wassermanagement, erneuerbare Energien, berufliche Bildung, Gleichstellung von Frau und Mann und Gesundheit. Zudem wird Deutschland die marokkanische Initiative für die menschliche Entwicklung (Initiative Nationale du Développement Humain, INDH) im Rahmen eines gemeinsamen Programmes mit der EU mit einem Zuschuss in Höhe von 5 Mio. Euro unterstützen.
Im Rahmen der Ende Juni 2007 zu Ende gegangenen EU-Präsidentschaft konnte Deutschland wir die Diskussion über eine Harmonisierung der Ansätze und Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen in Marokko vertretenen Geber mit dem Ziel der Steigerung der Effizienz der geleisteten Unterstützung voran bringen.
Kulturelle Beziehungen
Neben der Programmarbeit sind die Förderung der deutschen Sprache und die wissenschaftliche Zusammenarbeit die Schwerpunkte der deutschen Kulturarbeit in Marokko. Das Goethe Institut hat Zweigstellen in Casablanca und Rabat und eröffnete 2004 einen Dialogpunkt für Deutsch in Marrakesch. Ein weiterer Dialogpunkt Deutsch wird in Kürze in Tanger eröffnet werden. Eine deutsch-marokkanische interkulturelle Vereinigungen gibt es in Tanger. Im Hochschulbereich bestehen Partnerschaften mit sechs der vierzehn marokkanischen Universitäten, eine Partnerschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit dem Nationalen Zentrum für Wissenschaftliche Forschung (CNRS) sowie des Deutschen Archäologischen Instituts mit dem Nationalen Archäologischen Forschungszentrum (INSAP). Eine entsandte DAAD-Lektorin unterrichtet in Rabat.
Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung sowie Hanns-Seidel-Stiftung sind in Marokko vertreten.
Wirtschaft
Grundlinien der WirtschaftspolitikMarokko ist ein Schwellenland mit liberaler Wirtschaftsverfassung und klientelhafter Sozialstruktur. Zielsetzung der Regierung Jettou ist die Bekämpfung der Armut durch dauerhaft hohes Wirtschaftswachstum und Schaffung neuer Arbeitsplätze, deren Realisierung durch Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der marokkanischen Wirtschaft und durch Förderung von in- und ausländischen Investitionen erreicht werden soll. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit begleitet Marokko auf diesem Weg aktiv. Ein wichtiges Anliegen der marokkanischen Regierung ist die fortschreitende Integration der marokkanischen Wirtschaft in den Welthandel. Marokko ist Mitglied der WTO und hat Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und der Türkei abgeschlossen. Marokko war Gastgeber bei der Unterzeichnung des "Agadir-Abkommens" gemeinsam mit Ägypten, Tunesien und Jordanien. Dieses Abkommen ist eine wichtige Ergänzung der geplanten euromediterranen Freihandelszone und soll allen Mitgliedstaaten der Arabischen Liga offen stehen.
Transparency International führt Marokko auf Platz 77 (2002 noch auf Platz 52) seines Korruptionsindexes. Tunesien wird auf Platz 39 als deutlich weniger korrupt eingeschätzt. Marokkos Nachbar Algerien liegt auf Platz 97.
Aktuelle Wirtschaftsentwicklung, konjunkturelle Lage
Im Jahr 2006 wurde ein sehr gutes Wirtschaftswachstum von über 8,1%, vor allem bedingt durch eine hervorragende Ernte, erzielt. Für 2007 wird wegen großer Trockenheit ein sehr schlechtes landwirtschaftliches Ergebnis erwartet. Dies dürfte die Wachstumsperspektiven wieder deutlich eintrüben. Es wird ein Wirtschaftswachstum zwischen +0,4% (privates Forschungsinstitut „Centre Marocain de la Conjoncture“) und 1,6% (staatliches „Haut Commisariat au Plan“) erwartet.
Das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr 2006 war durch die ausgezeichnete Entwicklung der Landwirtschaft (+ 30,1%) geprägt. Die Getreideernte erhöhte sich um 114,6% zum Vorjahr. Das verdeutlicht, dass die marokkanische Ökonomie weiterhin sehr stark vom landwirtschaftlichen Ergebnis und damit von den Witterungsbedingungen bestimmt wird. Die Entwicklung der Landwirtschaft beeinflusst das Wirtschaftswachstum nicht nur direkt, sondern wichtige Industriezweige (Nahrungsmittelindustrie, Agrochemie) und Teile des Dienstleistungssektors sind von ihr abhängig.
Am besten entwickelte sich der Handel (+25,6%), dies ist vor allem auf gute Ergebnisse im ländlichen Raum zurückzuführen. Der Umsatz im Bauhauptgewerbe erhöhte sich um 6,7%, vor allem angetrieben durch staatliche Bau- und Infrastrukturprogramme. Die Bereiche Transport und Kommunikation wuchsen um 5,7%.Das derzeitige volatile Wirtschaftswachstum reicht im Schnitt nicht aus, den Anteil der Armen an der Bevölkerung dauerhaft zu senken, auch wenn das hohe Wachstum im Jahr 2006 positive Effekte hinterlassen hat. Dazu wäre nach Auffassung von Weltbank und IWF ein Wirtschaftswachstum von 6% oder darüber notwendig.
Die Preissteigerungsrate hatte 2006 mit 3,3% den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Für 2007 wird eine Inflationsrate von 2,6% erwartet. . Aufgrund der Struktur des Warenkorbs (45% Lebensmittel, 12% Wohnung) wird aber der Preisauftrieb systematisch unterschätzt..
Ausrichtung der Wirtschaftspolitik
Marokko ist seit seiner Unabhängigkeit im Grundsatz eine Marktwirtschaft mit liberaler Wirtschaftsverfassung. Der marktwirtschaftliche Charakter der Wirtschaft wird aber durch den großen Einfluss des Königs und die ihn umgebende Herrschaftsstruktur („Makhzen“) modifiziert. Marokko hat die Struktur eines Entwicklungslandes (BIP/Kopf 1460 €) und ist gegenüber externen Schocks empfindlich.
Struktur der Wirtschaft
In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Wirtschaftsstruktur Marokkos nicht grundlegend verändert. Der BIP-Anteil der Landwirtschaft beträgt 12,4%, der Industrie 30,4% (einschließlich Bergbau, Bauhauptgewerbe, Energie und Wasser). Der Anteil des Dienstleistungssektors beläuft sich auf 57,2%.
Die anhaltende Bedeutung der Landwirtschaft rührt weniger aus ihrem BIP-Anteil, sondern erklärt sich aus dem hohen Anteil von über 44% der in der Landwirtschaft Beschäftigten.
Wichtigster Industriesektor in Marokko ist die Lebensmittelverarbeitung mit einem BIP-Anteil von 13,5%. Ein Viertel der marokkanischen Unternehmen ist in diesem Bereich tätig. Die Textilindustrie ist der zweitwichtigste Sektor in Marokko, allerdings noch wichtigster Arbeitgeber.
Zunehmende Bedeutung erlangt die Zulieferindustrie in den Bereichen IT, Automobile und Luftfahrt. Die Produktion des PKWs Dacia Logan in Casablanca und die Ansiedlung französischer und amerikanischer Zulieferbetriebe für die Luft- und Raumfahrt sind hier die wichtigsten Impulsgeber.
Wirtschaftsklima
Die marokkanische Wirtschaft befindet sich seit dem Jahr 2000 auf einem durchgehend positiven Wachstumspfad. Trotz substantieller Bemühungen der Regierung Jettou, die Wirtschaft und Gesellschaft zu modernisieren, bestehen Modernisierungshemmnisse fort.
Die Bruttoinvestitionsquote betrug im Jahr 2006 29,4% und hat sich damit seit 2001 um 6,5 Prozentpunke erhöht. Sie bleibt aber auch weiter knapp unter dem Schnitt der „emerging markets“ von 30%. Die öffentlichen Investitionen, die zwei Drittel der Gesamtinvestitionen ausmachen, entwickeln sich dynamischer als die privaten Investitionen.
Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft
Die wirtschaftliche Öffnung Marokkos setzt sich weiter fort. Marokko hat zahlreiche Freihandelsabkommen abgeschlossen, darunter das Assoziationsabkommen mit der Europäischen Unon (EU) aus dem Jahre 2000. Mit dem allmählichen Zollabbau wurde begonnen und bis 2012 sollen alle Zollschranken fallen. Die im Jahr 2004 abgeschlossenen Freihandelsabkommen mit den USA, der Türkei und den „Agadir-Partnern“ Jordanien, Ägypten und Tunesien sind inzwischen in Kraft.
Die außenwirtschaftliche Liberalisierung Marokkos wird nicht durch eine wachsende Wettbewerbsfähigkeit der meisten marokkanischen Unternehmen begleitet. So steigt die Skepsis bei einigen wirtschaftlichen Akteuren, ob Marokko vor dem internationalen Wettbewerb bestehen kann.
Die marokkanischen Importe haben sich im Jahr 2006 wertmäßig um 11% erhöht und erreichten 41,9% des BIP (Vorjahr: 39,7%). Die marokkanischen Exporte haben sich 2005 mit einem Plus von 11,2% noch erfreulicher als im Vorjahr (+ 7,4%) entwickelt und sind erstmals seit langem stärker als der Import gewachsen. Die Exporte erreichen nur 22,6% des BIP (Vorjahr 20,8%), recht wenig für ein Land mit einem beschränkten Binnenmarkt.
Die EU ist wichtigster Lieferant (49%) und vor allem Kunde (70%) Marokkos. Wichtigster Handelspartner ist unverändert Frankreich mit einem Importanteil (aus marokkanischer Sicht) von 17,1% vor Spanien mit einem Anteil von 11,5%. Deutschland steht an sechster Stelle nach den beiden genannten Staaten und Saudi-Arabien, Italien und China. Der deutsche Anteil am marokkanischen Außenhandel beträgt 4,6%. Die deutschen Exporte nach Marokko sind im Vergleich zum Vorjahr um 8,2% angestiegen. Deutschland ist neuntwichtigster Investor in Marokko (Vorjahr Platz 3) mit einem Anteil an den Auslandsinvestitionen von 3%.
Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) sind in Marokko stark von der Privatisierung von Staatsvermögen abhängig. Die gesamten ausländischen Direktinvestitionen gingen im Jahr 2005 von rund 2,1 Mrd. € auf 900 Mio. € zurück. Im vergangenen Jahr sind sie wieder auf 2,65 Mrd. € angestiegen. Frankreich mit 807 Mio. € und Spanien mit 669 Mio. € sind mit Abstand die wichtigsten Investoren in Marokko. Bemerkenswert ist der rapide kleiner werdende Abstand zwischen Frankreich und Spanien. Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr rund 80 Mio. € investiert. .
Nach dem Auszug vieler ausländischer Unternehmen (besonders Personengesellschaften) im Zuge der „Marokkanisierung“ der Wirtschaft 1973 (Zwang zur Übernahme einer Anteilsmehrheit durch marokkanische Staatsbürger) hat sich seit den 90er Jahren wieder eine kräftige ausländische Präsenz entwickelt. Ganze vorne liegt die ehemalige Protektoratsmacht Frankreich mit Beteiligungen in fast allen Wirtschaftsbereichen. Rund 500 französische Unternehmen beschäftigen 65.000 Menschen. Sie erreichen einen Anteil von 10% an der gesamten marokkanischen Wertschöpfung. Spanien ist seit einigen Jahren aber stark im Kommen. Flagschiff ist die Aktienmehrheit von Telefonica am zweiten Mobilfunkanbieter Méditélecom, der Anfang Juli 2005 auch den Zuschlag für die zweite Festnetzlizenz gewonnen hat.
Spanische Unternehmen haben – entgegen dem Trend – substantiell im Textilbereich investiert.
Die vor kurzem beschlossene Reform der Häfen und der Bau des Großhafens Tanger Méditerranée zwischen Tanger und Tetúan sollen existierende logistische Engpässe im Außenhandel beheben. Das deutsche Unternehmen EUROGATE ist Konsortialführer beim Bau und Betrieb des zweiten Teils des Containerterminals in Tanger Méditerranée. In diesem Sommer wird der erste Abschnitt des Containerhafens bei Tanger in Betrieb gehen.
Öffentliche Ausschreibungen sind transparenter geworden, deutsche Unternehmen beteiligen sich aber weiterhin nur spärlich. Deutsche Unternehmen leiden unter Produktfälschungen und der mangelnden Verfolgung der Verletzung intellektuellen Eigentums in Marokko.
Der Wechselkurs wird von der Zentralbank aktiv gemanagt und orientiert sich an einem Währungskorb, der ein starkes Euro-Übergewicht hat. Gegenüber dem Euro war der marokkanische Dirham im vergangenen Jahr stabil (11,04), dem Dollar gegenüber hat sich der Dirham um 9,3 % gefestigt (entsprechend der Entwicklung der USD/EUR-Relation).
Tourismus
Marokko unternimmt große Anstrengungen, den Tourismus zu einem der führenden Wirtschaftssektoren auszubauen. Der „plan azur“ beinhaltet den Bau von sechs großen Anlagen und soll die Zahl der Touristen bis 2010 auf 10 Millionen verdoppeln. Marokko hat als erstes Land mit der EU ein Luftverkehrsabkommen im Stile „open sky“ abgeschlossen. Schon jetzt zeigt sich ein deutlich gestiegenes Engagement europäischer Fluglinien (TUI, Ryanair) auf dem marokkanischen Markt.
Die Zahl deutscher Touristen hat sich von 2000 bis 2006 um rund 30% verringert. Weniger als 5% aller Touristen sind Deutsche. Hier besteht noch enormes Wachstumspotential insbesondere im Stadt-, Kultur- und Bergtourismus. Die staatliche marokkanischen Caisse des Depots et des Consignations (CDG) hat sich mit 5% am Kapital von TUI beteiligt.
Wirtschaftsbeziehungen zur EU
Seit 01.03.2000 ist das Assoziierungsabkommen mit der EU in Kraft. Der Abbau der Zolltarife verläuft nach Plan. Am 26. Juni 2003 wurde ein wissenschaftliches und technologisches Kooperationsabkommen zwischen der EU und Marokko geschlossen. Ein Fischereiabkommen wurde 2006 unterzeichnet. Marokko ist aktives Mitglied des Barcelona-Prozesses (EU + Mittelmeer-Anrainerstaaten). Zudem unterstützt die EU- Nachbarschaftspolitik Marokko bei seinem innenpolitischen Modernisierungsprogramm und der Bekämpfung der Armut. Marokko ist Hauptempfänger von Transferleistungen der Europäischen Nachbarschaftspolitik..
Abkommen
• Investitionsschutzvertrag vom 31. August 1961
• Unterzeichnung des neuen Investitionsförderungs- und Schutzvertrags erfolgte am 06. August 2001 (von Marokko noch nicht ratifiziert).
• Doppelbesteuerungsabkommen vom 07. Juni 1972, in Kraft getreten am 08. Oktober 1974
• Luftverkehrsabkommen vom 12. Oktober 1961, in Kraft getreten am 23. August 1963 (novelliert durch das Luftverkehrsabkommen EU-Marokko vom Typ „open sky“ vom 12. Dezember 2006.
• Abkommen über die Seeschifffahrtsbeziehungen vom 24. November 1966, in Kraft getreten am 24. November 1966, neuer Vertragsentwurf wird verhandelt
• Abkommen über den grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehr auf der Straße vom 23. Juni 1985, in Kraft getreten am 26. September 1993
• Vertrag über die Rechtshilfe und Rechtsauskunft in Zivil- und Handelssachen vom 29.10.1985, in Kraft getreten am 23.06.1994
• Abkommen über Soziale Sicherheit vom 24. März 1981, in Kraft getreten am 01.08.1986
• Regierungsvereinbarung über die ggs. Rechtshilfe in Strafsachen vom 17.7.1958 (gleichzeitig Datum des Inkrafttretens)
• Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Veterinärwesen vom 21.Mai 2002
Außenpolitik
Grundlinien der AußenpolitikMarokko verfolgt einen pragmatischen außenpolitischen Kurs. Multilateral findet diese Politik ihren Niederschlag in vermittelnden Bemühungen in arabischen, afrikanischen und internationalen Gremien. Bilateral werden enge Beziehungen zu Drittweltstaaten mit ähnlicher Zielsetzung gepflegt.
Die dauerhafte Sicherung der Westsahara als marokkanisches Staatsgebiet ist ein zentrales Anliegen der Außen- und Innenpolitik. Gegenüber den Industriestaaten strebt Marokko die Rolle eines gemäßigten Sprechers und Mittlers an.
Nahost-Friedenspolitik
Marokko ist ein Fürsprecher der ersten Stunde der Nahostfriedenspolitik. Es unterstützte den Oslo-Prozess und richtete den MENA-Gipfel 1994 in Casablanca aus. Mit der Wahl Ehud Baraks zum israelischen Ministerpräsidenten (1999) hatte Marokko sein Engagement wieder voll aufgenommen. Seit Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen im Gazastreifen und auf der Westbank hat Marokko seine Zusammenarbeit mit Israel suspendiert. Im September 2003 besuchte der israelische Außenminister Marokko.
Das Land ist Mitglied der Sonderausschüsse der Arabischen Liga zum Libanon und zu den Palästinensischen Gebieten. König Mohammed VI. hat von seinem Vater Hassan II. den Vorsitz des Jerusalem-Ausschusses (Al-Qods) der Organisation der Konferenz islamischer Staaten (OIC) übernommen.
Beziehungen zu Frankreich
Ein besonders enges Verhältnis besteht traditionell zur ehemaligen Protektoratsmacht Frankreich. Es nimmt eine privilegierte Position in nahezu allen Bereichen bilateraler Zusammenarbeit ein. Marokko und Frankreich pflegen auch auf der politischen Ebene einen außerordentlich intensiven Besucheraustausch.
In der EU engagiert insbesondere Frankreich sich für marokkanische Interessen. Rund 30.000 Franzosen leben in Marokko, über eine Million Marokkaner in Frankreich.
Beziehungen zu Spanien
Das Verhältnis zu Spanien entwickelt sich positiv. Nach dem Konflikt um die vor Nordmarokko im Mittelmeer liegende "Petersilieninsel" (2002) hatte schon der Besuch von Premierminister Aznar im Dezember 2003 zur Verbesserung der Beziehungen, zur Bildung gemischter Kommissionen, u.a. zur Seegrenze zwischen den Kanarischen Inseln und dem marokkanischen Festland, und zu umfangreichen Entwicklungszusagen beigetragen. Zudem wurde die Tatsache, dass Premierminister Zapatero seine erste Auslandsreise im April 2004 nach Marokko unternahm, zu Recht als Zeichen für eine Politikänderung aufgefasst.
In den von sachlichen Interessengegensätzen geprägten Fragen wie illegale Einwanderung, Drogenhandel, Fischereiabkommen, landwirtschaftliche Ausfuhren Marokkos in die EU, Abgrenzung der Wirtschaftszonen im Küstenmeer zwischen kanarischen Inseln und der Westsahara wurden inzwischen wichtige Fortschritte erzielt.
Die ESP Regierung begleitet auch die marokkanische Initiative zur Lösung der Westsaharafrage mit Sympathie.
Interessant sind Pläne für eine Eisenbahnverbindung zwischen Europa und Afrika unter der Strasse von Gibraltar hindurch.
Beziehungen zur Europäischen Union
Die intensiven politischen Beziehungen zur Europäischen Union haben mit Inkrafttreten des Assoziationsabkommens am 01.03.2000 ein klares Ziel: die Schaffung einer Freihandelszone bis 2010. Darüber hinaus hat Marokko eine neue Initiative zu über das Assoziationsabkommen hinausgehenden vertieften Beziehungen ("Statut Avancé") unternommen und möchte im Verhältnis zu anderen Mittelmeer-Anrainern eine herausgehobene Stellung gegenüber Europa institutionalisieren. Am Barcelona-Prozess ist Marokko aktiv beteiligt. Kein Land profitiert finanziell von der „Europäischen Nachbarschaftspolitik“ der EU mehr als Marokko.
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
Mit den Vereinigten Staaten werden freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Es besteht eine starke Anbindung in Sicherheitsfragen an die Außenpolitik der USA.
Diskussionspunkte im Verhältnis zu den USA sind der Nahost-Friedensprozess und die Irak-Frage. Es herrscht lebhafter Besucheraustausch. Nach den Anschlägen vom 11. September haben König und Regierung die terroristischen Angriffe verurteilt und die Koalition gegen den Terrorismus unterstützt. Seit Januar 2005 besteht zwischen Marokko und den USA eine Freihandelszone.
Im April 2007 war das US-Konsulat in Casablanca Ziel eines terroristischen Selbstmordanschlages.
Innenpolitik
StaatsaufbauMarokko ist nach der Verfassung von 1972 (mit Änderungen 1992 und 1996) eine konstitutionelle Monarchie mit sehr starker Position des Königs. Neben den Verfassungsorganen besteht das traditionelle System des "Makhzen" mit dem König als Führungsperson. Er beherrscht das politische und in weiten Bereichen das wirtschaftliche System. Nach Verfassung und Tradition hat der König eine Doppelrolle: Er ist weltlicher Herrscher und zugleich geistlicher Führer (Amir Al Mu'minin).
Im September 1996 wurde durch ein Referendum die Verfassung geändert und ein Zweikammersystem eingeführt. Die Abgeordneten der ersten Kammer werden vollständig in gleicher und geheimer Wahl bestimmt. Die zweite Kammer wird indirekt durch Gemeindevertreter und Berufsvertretungen gewählt. Marokko hat ein von der Verfassung geschütztes Mehrparteiensystem. Von der Verfassung gleichfalls geschützt ist die Existenz von Gewerkschaftsverbänden und das Streikrecht.
Grundlinien der Innenpolitik
Drei Themen unterliegen unverändert weitgehend einer Tabuisierung: Anspruch Marokkos auf volle Souveränität über das Gebiet der Westsahara, Unantastbarkeit der Monarchie, Islam als Staatsreligion.
König Mohammed VI. verkörpert einen weltoffenen Regierungsstil, hat aber auf keines der Vorrechte seines Vaters verzichtet. Er betont stärker als sein Vater die Idee der konstitutionellen Monarchie, ist aber auch bereit, seine exekutiven Befugnisse zu nutzen, wenn er es für erforderlich hält.
Nach den Parlamentswahlen am 27. September 2002 ernannte er den parteilosen Technokraten Driss Jettou zum neuen Premierminister und unterstrich damit seinen politischen Führungsanspruch.
Der innenpolitische Stil des Königs hat sich auch durch Initiativen bei der Bekämpfung von Armut und Bildungsnotstand, bei der Aufarbeitung der Vergangenheit („Instance Equité et Réconciliation“) und bei der Gleichberechtigung der Frau manifestiert.
In der Frage der seit Jahren kontrovers diskutierten, für die Modernisierung der Gesellschaft entscheidenden Reform des Familienrechts ("Moudawana") spielte Mohammed VI. die zentrale Rolle. Im Februar 2004 trat das neue Familiengesetzbuch in Kraft, das König Mohammed VI. in einer wegweisenden Rede vor dem marokkanischen Parlament im Oktober 2003 in Aussicht gestellt hatte. Im Kern postuliert das Gesetz eine rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe, eine starke Einschränkung des Rechts zur Polygamie der Männer, ein rechtsförmliches Scheidungsverfahren mit Antragsrecht beider Partner, die gleichmäßige Aufteilung der in der Ehe erworbenen Güter auf beide Ehepartner bei Scheidung, die Stärkung der Rechte der Kinder und die Schaffung einer selbständigen Familiengerichtsbarkeit.
Die im Mai 2005 vom König angestoßene „Nationale Initiative für menschliche Entwicklung“ (INDH) spielt innenpolitisch eine wichtige Rolle. Das Programm, für das über fünf Jahre Mittel in Höhe von 1 Mrd. Euro veranschlagt werden, soll gezielt Armut und soziale Ausgrenzung in den ärmsten ländlichen Gebieten und städtischen Armenvierteln bekämpfen.
Mehrere Bombenanschläge auf jüdische Einrichtungen und Orte westlich-weltlichen Lebensstils am 16. Mai 2003 in Casablanca forderten über 40 Tote und mehr als 60 Verletzte. Die Attentate veränderten die politische Atmosphäre in Marokko. Der König hat den Kampf gegen den Terrorismus und die Demokratisierung und Modernisierung des Landes als gleichgewichtige Aufgaben bezeichnet. Dennoch ist zu befürchten, dass Marokko auch weiterhin Rekrutierungsbasis für internationale terroristische Gruppen bleibt. Die Sicherheitsbehörden haben wiederholt terroristische Netzwerke, in die zum Teil auch Vertreter des marokkanischen Militärs, der Polizei und Gendarmerie eingebunden waren, aufgedeckt und gehen mit großer Härte gegen radikale islamistische Gruppen vor.
Im März und April 2007 kam es in Casablanca zu mehreren terroristischen Zwischenfällen mit acht Toten (darunter sieben Terroristen) und ca. 40 Verletzten.
Menschenrechte
In den letzten Jahren ist Marokko auf dem Gebiet der bürgerlichen Freiheitsrechte, der Meinungs- und Pressefreiheit und bei der Aufarbeitung vergangenen Unrechts vorangekommen. Menschenrechte sind heute besser als zuvor in der politischen Wirklichkeit Marokkos verankert. Durch die weitgehend freie Diskussion von Menschenrechtsfragen vor allem in regierungskritischen Zeitungen ist die Sensibilität der Öffentlichkeit gewachsen.
Im Januar 2004 hat der König die Kommission "Instance Equité et Réconciliation" (IER) zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen zwischen 1956 (Staatsgründung) und 1999 (Tod Hassans II.) während der so genannten "bleiernen Jahre" eingesetzt. Das Mandat der IER war von vorneherein reglementiert und limitiert, doch brachte vor allem die öffentliche Anhörung der Opfer eine breite gesellschaftliche Diskussion in Gang. Jetzt und in Zukunft wird es darum gehen, die im Abschlussbericht zusammengefassten Empfehlungen der Kommission zur individueller und kollektiver Entschädigung, Reform des Rechtssystems und der Sicherheitskräfte sowie eine bessere Verankerung der Menschenrechte in der Praxis umzusetzen.
Im Oktober 2005 wurde ein neues Gesetz verabschiedet, das Folter explizit verbietet und unter Strafe stellt. Von Inhaftierten werden allerdings weiterhin Foltervorwürfe erhoben.
Parlament und Regierung
Aufgrund der Wahlen von 2002 sind im Parlament 22 Parteien vertreten, die sich traditionell in drei lose Bündnisse des rechten Lagers (WIFAQ), des Zentrums und der Linken (Kutla) gliedern. Dem Kabinett von Premierminister Jettou, das eine breite Regierungskoalition spiegelt, gehören 35 Minister, beigeordnete Minister und Staatssekretäre an. Einschließlich des Premierministers sind zehn Kabinettmitglieder parteilos. Unmittelbar vom König berufen werden die „Minister der Souveränität“, insbesondere Außen-, Innen-, Religions- und Justizminister.
Die Neuwahl eines Teils der Abgeordneten der zweiten Parlamentskammer im September 2006 wurde von Vorwürfen von Ämterkauf und Nepotismus überschattet.
Von den Wahlen zur ersten Kammer am 7. September 2007 werden wichtige Weichenstellungen für die politische Zukunft Marokkos erwartet. Die PJD (islamisch-konservativ mit islamistischem Flügel) dürfte zu den Gewinnern der Wahl zählen; interessant wird vor allem die Frage, ob sie in die Regierung eintreten wird.
Kultur- und Bildungspolitik, Medien
KulturMarokko versteht sich in der offiziellen Definition als Ort des Dialogs und Austauschs und legt zunehmend Wert auf seine "identité plurielle". Diese ist geprägt durch ein reiches arabisches, berberisches, afrikanisches und andalusisches kulturelles Erbe. Dieses und der Erhalt von Traditionen werden durch traditionelle Feste wie moussems und fantasias und in der jüngeren Vergangenheit nationale und internationale Festivals gepflegt. Die sprachliche Vielfalt, neben Arabisch werden eine Vielzahl von Berberdialekten gesprochen, wird gefördert. Amazigh ist neben Arabisch zur offiziellen Unterrichtssprache aufgewertet worden und wird seit 2003 an mehr als 900 Grundschulen unterrichtet. Zur Restaurierung historischer Stätten werden öffentliche Gelder bereitgestellt.
Bildungswesen
Das Bildungswesen zählt zu den Prioritäten von Regierung und König Mohammed VI. Eine 1999 initiierte Kampagne zur Reform der Schulausbildung hatte sich eine 100%-ige Einschulungsrate bis 2002 zum Ziel gesetzt. Davon ist man trotz aller Bemühungen noch weit entfernt. Die Einschulungsquote ist zwar beträchtlich gestiegen und liegt landesweit für 6-Jährige bei 95% Von der Gruppe der 15-Jährigen besuchen allerdings nur noch die Hälfte eine Schule. 39% des Bevölkerungsanteils der über Fünfzehnjährigen gelten offiziell als Analphabeten. Dies bedeutet, dass 9 Millionen Menschen weder lesen noch schreiben können. Stadt- und Landbevölkerung sind unterschiedlich stark betroffen. (27,2% in Städten, 54,4% auf dem Land). Bei den Frauen ist die Analphabetenquote etwa 15 Prozent höher als bei den Männern. Mit zum Teil erheblicher finanzieller Unterstützung aus dem Ausland (u.a. Weltbank, EU, Kanada, Japan, auch Frankreich, Spanien) wird der Bildungsektor reformiert.
Bis 2010 soll die Analphabetenrate auf 20% gesenkt werden. Die "vollständige Ausmerzung des Übels" wird bis 2015 angestrebt.
Wie die Schulen leiden auch die Universitäten seit Jahren unter Überfüllung und schwacher Mittelausstattung. Gleichzeitig ist der marokkanische Arbeitsmarkt nicht in der Lage, Schul- und Studienabgänger in ausreichendem Maße aufzunehmen. Akademikerarbeitslosigkeit ist zu einem nationalen Phänomen geworden. Der Migrationsdruck ist hoch. 2003 ist eine weitreichende Universitätsreform in Kraft getreten. Sie zielt darauf, Studieninhalte neu auszurichten und mehr den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes anzupassen, Studienzeiten zu verkürzen, international gültige Standards zu erreichen und international anerkannte Abschlüsse anzubieten. Die Umsetzung der Reform ist bislang nur schleppend erfolgt.
Fremdsprachen
Unter den Fremdsprachen dominiert eindeutig Französisch als Sprache der ehemaligen Kolonialmacht. Spanisch ist im Norden des Landes verbreitet. Steigendes Interesse besteht an Englisch. Deutsch, für das sich vor allem unter jungen Erwachsenen eine große Nachfrage feststellen lässt, und Italienisch folgen mit Abstand.
Medien
Marokko zeichnet sich durch eine Vielzahl von Printmedien aus. Über 700 Presseprodukte mit einer geringen verkauften Gesamtauflage von ca. 390 000 Ex. sind auf dem Markt. Größte Tageszeitung ist die unabhängige arabisch-sprachige Zeitung "Al Ahdat Al Maghribya" mit einer Auflage von 80.000 Exemplaren. Die Tageszeitung "Le Matin du Sahara" ist mit unter 20.000 Exemplaren die größte französisch-sprachige Zeitung.
Der audiovisuelle Sektor wurde durch Gesetz im November 2004 neu geregelt. Das Gesetz bestimmt, dass erstmalig in der Geschichte Marokkos das Monopol des Staates über Rundfunk und Fernsehen aufgehoben und der audiovisuelle Markt für private Anbieter geöffnet wird. Die Neuordnung des Marktes gilt sowohl für marokkanische als auch für ausländische Investoren.
Von staatlicher Seite wurden seit 2004 im audiovisuellen Sektor verschiedene neue Produkte in den Markt eingeführt. Seit November gibt es neben RTM und 2M den Satellitensender « AL Maghribya », der vor allem als Informationsquelle über Marokko für die im Ausland lebenden Marokkaner konzipiert ist.
Seit Oktober 2004 sendet ein « radio coranique» täglich Programme, die sich mit religiösen Themen beschäftigen und sich vor allem gegen extremistische Glaubensauslegung wenden. Im September 2006 ging ein Sportkanal auf Sendung.
Formal besteht in Marokko Pressefreiheit. Diese wird aber durch Art. 41 des Pressegesetzes und auch die „Schere im Kopf“ der Journalisten eingeschränkt. Monarchie, Religion und Westsahara sind gem Art. 41 des Pressegesetzes die weiterhin bestehenden Tabu- und Zensurthemen. Marokkanischen Medien vertreten in Fragen der Westsahara eine einheitliche Haltung, die kaum Zwischentöne kennt.
Mit kostspieligen zivilrechtlichen Verfahren wurde mehrfach versucht die Wochenzeitung „Le Journal“ in den Ruin zu treiben. Diese Versuche konnten bislang abgewehrt werden.
Geschichte / Die Westsahara-Frage
Stand: Juli 2007Die ursprünglichen Einwohner des heutigen Staatsgebietes von Marokko, von den Römern Berber genannt, sahen sich im Laufe der Jahrhunderte mit Invasionen von Phöniziern, Karthagern, Römern, Vandalen und - seit dem Ende des 7. Jahrhunderts - von Arabern konfrontiert. Das früh islamisierte Land gehörte in der Folge niemals zum osmanischen Reich und behielt - unterbrochen von 44 Jahren französischer Protektoratsherrschaft (1912 - 56) - bis heute seine Unabhängigkeit.
Die marokkanische Geschichte wird von den jeweils Macht habenden Dynastien gestaltet, die teilweise berberischen, teilweise arabischen Ursprungs sind. Den Idrissiden folgten die Almoraviden (1052-1147), auf die Almohaden (1178-1213) folgten die Meriniden (1259-1540) und Saadier (1587-1660). Seit 1660 ist die heute regierende arabische Dynastie der Alawiten an der Macht. Am 23.07.1999 folgte nach dem Tod des 38 Jahre regierenden Königs Hassan II. sein ältester Sohn als König Mohammed VI. (geb. 21.08.63) auf den Alawiten-Thron.
Die Westsahara-Frage
Der Internationale Gerichtshof stellte in einem Gutachten vom 16.10.1975 zwar vor-koloniale Bindungen zwischen einzelnen Stämmen der Westsahara und den marokkanischen Sultanen fest. Laut Internationalem Gerichtshof begründeten diese Bindungen jedoch keine territoriale Souveränität Marokkos über das Gebiet der Westsahara.
Marokko nahm das Gebiet 1975 durch den "Grünen Marsch" in Besitz. 1981 erklärte sich König Hassan II. bereit, einer Volksabstimmung der Westsahara-Bevölkerung unter der Ägide der Vereinten Nationen zuzustimmen. Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen (VN) Pérez de Cuéllar erarbeitete einen Friedensplan für die Durchführung eines Referendums. Nachdem Marokko und die Frente Polisario den Plan im August 1988 akzeptiert hatten, trat 1991 ein seitdem eingehaltener Waffenstillstand in Kraft.
Zugleich nahmen Einheiten der UN-Beobachtermission MINURSO -MINURSO - Mission des Nations Unies pour l'organisation d'un référendum au Sahara occidental (Mission der Vereinten Nationen für das Referendum in Westsahara) ihre Tätigkeit in der Westsahara auf. Der Prozess der Identifizierung von Wahlberechtigten gestaltete sich äußerst kompliziert.
Der damalige Persönliche Gesandte des VN-Generalsekretärs für die Westsahara, James Baker, schlug Marokko, der Polisario sowie Algerien und Mauretanien 2003 einen Plan für die politische Lösung des Konfliktes vor. Der Baker-Plan gründete auf Autonomie des umstrittenen Gebietes unter Souveränität Marokkos für eine Übergangszeit von mindestens vier, maximal fünf Jahren, an deren Ende ein Referendum über den Endstatus (Unabhängigkeit oder Fortdauer des Autonomiestatus oder Zugehörigkeit zu Marokko) stehen sollte.
Die einstimmig angenommene Resolution 1495 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom Juli 2003 unterstützte den Plan als "optimum political solution on the basis of agreement between the two parties".
Marokko stimmte diesem (sog. „zweiten“) Baker-Plan nicht zu und beharrte auf seiner "territorialen Integrität". Der Westsahara soll eine "erweiterte Autonomie" zugestanden werden, deren Konturen sich aus einem dem VN-Generalsekretär im April 2007 übergebenen Plan ersehen lassen.
Der VN-Generalsekretär, beraten von seinem neuen Persönlichen Gesandten Peter van Walsum, hielt in seinen beiden halbjährlichen Berichten aus dem Jahre 2006 an den Sicherheitsrat nicht länger am Baker-Plan fest, sondern empfahl die Aufnahme von direkten Verhandlungen ohne Vorbedingungen zwischen den Konfliktparteien. Der Sicherheitsrat übernahm mit Res. 1754 von Ende April 2007 diesen Ansatz und sprach von den „ernsthaften und glaubwürdigen“ MAR Bemühungen, den Prozess einer Lösung näher zu bringen. Er hält - ähnlich der VN-Generalversammlung in ihren Resolutionen zur Westsahara - an dem Ziel einer "just, lasting and mutually acceptable political solution, which will provide for the self-determination of the people of Western Sahara" fest.
Das Engagement Deutschlands für eine den Interessen aller Beteiligten gerecht werdende Lösung des Konflikts hat sich unter anderem in einer Entsendung von MINURSO-Personal Mitte der neunziger Jahre und in einer Vermittlungsaktion zur Freilassung der letzten in Marokko inhaftierten Polisariokämpfer 1996 niedergeschlagen. Im Jahr 2000 wurden Direktgespräche zwischen den Konfliktparteien unter der Leitung des VN-Sondergesandten Baker in Berlin durchgeführt. Im Jahre 2002 erreichte die deutsche Diplomatie die Freilassung von über 100 noch in der Hand der Polisario befindlichen marokkanischen Kriegsgefangenen.
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Fax
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E-Mail
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Website
http://www.rabat.diplo.de
Sonstiges
Behördensprachen: Französisch, Arabisch
Hinweis: Bei Benutzung einer Telefon- bzw. Faxverbindung via Satellit (Satcom) entstehen höhere Gebühren.
Honorarkonsuln
BezeichnungHonorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland
Leiter
Hamza Choufani, Honorarkonsul
Ort
Agadir
6, Rue de Madrid, Sec. Résidentiel, 80 000 Agadir
Telefon
(00212 28) 84 10 25
Fax
(00212 28) 84 09 26
Postadresse
Consul Honoraire de la République féderale d'Allemagne, 6, Rue de Madrid, Sec. Résidentiel, 80 000 Agadir, Marokko.
conshono@menara.ma
Sonstiges
Hinweis: Bei Benutzung einer Telefon- bzw. Faxverbindung via Satellit (Satcom) entstehen höhere Gebühren.
